Altenburg ob Bamberg

49.881°N · 10.886°E · 386 m ü. NN

Die Altenburg ob Bamberg ist eine mittelalterliche Höhenburg auf dem höchsten Hügel der Stadt. Das Erscheinungsbild der Burg ist eng mit der Geschichte der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt verbunden. Die Altenburg wandelte sich über die Jahrhunderte mit ihrer Stadt und deren Gesellschaft. Die Burg entwickelte sich von einer Wehranlage zum Bischofssitz und wurde schließlich als eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt von Bamberger Bürgern vor dem Verfall gerettet.

Von 1109 bis heute

Die Geschichte
der Altenburg

Vermutlich stand auf dem Burgberg bereits eine Burg, als Kaiser Heinrich II. sein »Papinberc« (Bamberg) ab dem Jahr 1007 als »Haec caput est orbis«, wörtlich als »Hauptstadt der Welt«, zu einer der wichtigsten Städte seines riesigen Reiches ausbaute. Bei ihrer ersten urkundlichen Erwähnung 1109, rund 100 Jahre später, wurde sie bereits »alte Burg« genannt.

Die heutige Altenburg ist kein Werk eines einzigen Baumeisters oder einer einzigen Epoche. Sie ist über rund 1.000 Jahre gewachsen.

Ihre prächtigste Blütezeit erlebte die Burg unter einer Reihe von Fürstbischöfen, welche die Altenburg aus- und umbauten oder nach Beschädigungen wiederherstellen ließen. Nach Jahrhunderten des Verfalls ab dem zweiten Markgrafenkrieg 1553 wurde sie erst ab 1800 von bürgerlichen Erneuerern gerettet und abermals umgebaut.

Die Altenburg ist damit etwas Einzigartiges: Sie ist kein eingefrorener historischer Zustand, sondern trägt in ihrer Substanz die Geschichte der Stadt Bamberg und den Wandel ihrer Gesellschaft.

um 1109

Erste urkundliche Erwähnung 1109

Erste urkundliche Erwähnung 1109

Zum ersten Mal taucht der Name »Altenburg« im Jahr 1109 auf: In der Gründungsausstattung des Stifts St. Jakob steht wörtlich »Altenburg cum silva et suis terminis«, also die »Altenburg mit dem Wald und seinen Grenzmarken«. Schon bei ihrer ersten Erwähnung war sie damals also schon eine alte Burg, erbaut irgendwann im Frühmittelalter.

1307–1553

Blütezeit unter den Fürstbischöfen

Blütezeit unter den Fürstbischöfen

1307 urkundete zum ersten Mal ein Bamberger Fürstbischof auf der Altenburg. Ab dem späten 14. Jahrhundert bauten die Fürstbischöfe die »alte Burg« in mehreren Schüben zu einer prächtigen Residenz aus, vom Bergfried unter Albert von Wertheim bis zum fürstlichen Gemach unter Georg III. Schenk von Limpurg (1520/21). Aus dieser Zeit um 1483 stammt auch die älteste bekannte Darstellung der Altenburg. Die Burg war damals größer als heute, mit einem hohen Wohnturm. Schon auf dieser ersten Abbildung sind der runde Bergfried und der Nordturm zu sehen, der heute die E.T.A.-Hoffmann-Klause beherbergt.

1553–1800

Zerstörung und Zerfall

Zerstörung und Zerfall

Nachdem die Altenburg dem Bauernkrieg von 1525 noch ohne größere Zerstörung standgehalten hatte, ging sie schließlich 1553 im zweiten Markgrafenkrieg in Flammen auf. Hangrutsche zehrten zusätzlich an ihren Grundmauern und der Substanz. Die Altenburg verlor an Bedeutung und wurde zeitweise als Gefängnis genutzt. 250 Jahre lang verfiel sie zunehmend zur Ruine.

um 1800

Rettung der Altenburg

Rettung der Altenburg

Nachdem Ende des 18. Jahrhunderts die Ostmauer zunehmend instabil wurde und samt des Nord-Ost-Turms abbrach, waren es um 1800 Bamberger Bürger, welche die Altenburg als ihren Lieblingsort vor dem Abbruch retteten und wieder aufbauten. Zuerst Dr. Adalbert Friedrich Marcus und später die engagierten Mitglieder des Altenburgvereins, dem die Burg bis heute gehört.

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    Adalbert Friedrich Marcus (1753 Arolsen, 1816 Bamberg) war Arzt, Leibarzt zweier Bamberger Fürstbischöfe und Reformer des Bamberger Gesundheits- und Sozialwesens. Er leitete ab 1789 das Allgemeine Krankenhaus, gründete oder reformierte Hebammenschule, Nervenklinik St. Getreu, Bürgerspital und Landphysikate, setzte 1807 in Bayern die Pockenschutzimpfungspflicht durch und initiierte das Bamberger Theater. 1801 erwarb er die verfallene Altenburg und sicherte sie als sommerliches Refugium und Treffpunkt seines Freundeskreises um E.T.A. Hoffmann. Sein Grab am Nordhang der Burg ist die Keimzelle, aus der 1818 der Altenburgverein hervorging.

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    Der Architekt Gustav Haeberle

    Gustav Haeberle (1853–1930) prägte als Architekt das heutige Erscheinungsbild der Altenburg und war mit 185 Baumaßnahmen und 125 Neubauten im Bamberger Stadtgebiet einer der produktivsten Architekten Bambergs. Im Auftrag des Altenburgvereins gestaltete Haeberle die Altenburg über vierundvierzig Jahre als Daueraufgabe, vom Brunnen-Neubau 1893 über den Palas 1901/02 bis zur Turmhaube auf dem Bergfried im September 1901.

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  • Der entschlossene Geldgeber: Heinrich Manz, historische Ansicht der Altenburg

    Der entschlossene Geldgeber: Heinrich Manz

    Heinrich Manz (1852–1914) war Schuhfabrikant und Kommerzienrat in Bamberg und die treibende Kraft hinter der Neugestaltung der Altenburg um 1900. Als führender Kopf des Altenburgvereins ließ er auf eigene Kosten die Pläne für den Palas-Neubau anfertigen, organisierte das Altenburgfest 1897 zur Finanzierung und gab den Anstoß zum Wittelsbacherstein von 1903. Sein Gesicht ist als Steinmaske des Bauherrn am Palas verewigt.

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    Bären auf der Altenburg: Poldi, Toni & Hassan

    Über acht Jahrzehnte lebten Bären auf der Altenburg. Der bekannteste war Poldi, dreißig Jahre lang Identifikationsfigur für Bamberger Kinder und letzter deutscher Burgbär, gestorben im Dezember 1982. Vor Poldi waren Toni (1951–52) und Hassan (1900–1916) die Bewohner des Zwingers am Südwestturm der Burg.

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  • Geheimgänge: Wohin führen die unterirdischen Gänge von der Altenburg?, historische Ansicht der Altenburg

    Geheimgänge: Wohin führen die unterirdischen Gänge von der Altenburg?

    Seit Generationen kursieren in Bamberg Mythen von geheimen Gängen, die von der Altenburg zum Dom, zur Alten Hofhaltung oder sogar bis zur Giechburg führen sollen. Bei genauerer Betrachtung sind solche Gänge geologisch unmöglich bzw. höchst unwahrscheinlich. Zudem gibt es keinerlei Hinweise in historischen Beschreibungen der Burg oder in alten Hofrechnungen. Die Burg hat zwar zahlreiche unterirdische Räume, sie reichen aber alle nicht über den Berghang hinaus.

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  • Historische Ansichtskarten der Altenburg über die Jahre, historische Ansicht der Altenburg

    Historische Ansichtskarten der Altenburg über die Jahre

    Seit den 1890er Jahren ist die Altenburg eines der meistabgebildeten Postkarten-Motive Bambergs. Diese Sammlung versammelt die datierten und undatierten Ansichtskarten der Burg vom späten 19. bis ins 20. Jahrhundert. Die Karten zeigen die bauliche Entwicklung der Burg, die wechselnden Standpunkte ihrer Betrachter und die touristische Aneignung des Wahrzeichens über die Jahrzehnte.

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Häufige Fragen

Unter Besuchern der Altenburg hört man immer wieder folgende Fragen:

Was ist an der Altenburg wirklich alt?

Die Altenburg ist so alt wie die Stadt Bamberg selbst. Ihre Anfänge reichen wahrscheinlich vor das Jahr 1000 zurück, denn schon 1109 wird sie als »Altenburg« erstmals urkundlich genannt, also damals schon eine alte Burg. Über Jahrhunderte war sie im Eigentum der Kirche und Sitz der Bamberger Fürstbischöfe. Nach der Zerstörung im Frühjahr 1553 verfiel sie zur Ruine, bis Bamberger Bürger sie in der Romantik um 1800 retteten, allen voran Dr. Marcus, erst mit einer Pacht seit 1798 und einem Kaufvertrag seit 1801, und ihr um die Jahrhundertwende (vielleicht inspiriert vom Bau Neuschwansteins 1869 bis 1892) mit dem 1902 fertiggestellten Palas einen neuen repräsentativen Wohn- und Veranstaltungsbau im Stil des Späthistorismus gaben. Anders als die Märchenburg Neuschwanstein steht die Altenburg dabei auf einem echten mittelalterlichen Kern.

Wirklich alt ist vor allem der Bergfried: Sein Kern entstand ab etwa 1400. Mittelalterlich sind auch die Klausen in den Wehrtürmen der Ringmauer, allen voran der Nordturm, die heutige ETA-Hoffmann-Klause, gebaut unter Fürstbischof Anton von Rotenhan (1431–1459). Alt sind ebenso die Brückenpfeiler und das Torhaus, deren Kern aus dem 15. Jahrhundert stammt, sowie das Kapellen-Gewölbe von etwa 1450 mit dem Rotenhan-Schlussstein. Relativ neu ist nur der Burg-Palas, den Gustav Haeberle 1901 bis 1902 auf alten Kellergewölben errichtete.

Wann hat Poldi auf der Burg gelebt?

Poldi lebte von 1952 bis Dezember 1982 auf der Altenburg in Bamberg. Mit sechs Monaten kam er 1952 als Jungbär auf die Burg, sein Taufpate war der damalige Oberbürgermeister Luitpold Weegmann. Dreißig Jahre lebte er allein auf einem 60 Quadratmeter großen Freigehege am Südwestturm.

Poldi war jedoch nicht der einzige Burgbär: Die Tradition begann um 1900 mit dem Tanzbären Hassan, der bis 1916 auf der Burg lebte, und unmittelbar vor Poldi kam 1951 die Bärendame Toni auf die Altenburg. Mit Poldis Tod endete die über achtzigjährige Tradition der Bamberger Burgbären, er gilt als Deutschlands letzter Burgbär.

Was ist die Funktion des Korbes am Bergfried?

Über den eisernen Korb am Schaft des Bergfrieds gibt es zahlreiche Geschichten: ein Folterkäfig, ein Vorläufer der festlichen Burg-Beleuchtung oder reine Dekoration. Diese drei Deutungen sind unwahrscheinlich. Sicher ist, dass der Korb alt ist: Ein Augsburger Kupferstich um 1730 zeigt bereits einen Galgenarm mit hängendem Korb am Bergfried, und eine fürstbischöfliche Schanzrechnung von 1744/45 verzeichnet die Anbringung einer neuen Pechpfanne am Bergfried.

Damit ist eine Feuervorrichtung am Turm schriftlich belegt; naheliegend ist ein Wach- oder Signalfeuer, etwa Richtung Giechburg. Auf den Burgansichten zwischen 1818 und 1904 fehlt der Korb; erst nach dem Neubau des Palas wurde er wieder ergänzt.

Hatte die Altenburg eine Zugbrücke?

Ja, die Altenburg hatte sogar zwei Zugbrücken. Die fürstbischöflichen Hofkammerrechnungen zum Wiederaufbau nach der Zerstörung von 1553 nennen beide Zugbrücken „für Fußgänger und Fuhrwerke"; der Zimmermeister Jörg Wieber stellte sie 1554 wieder her. Die große Zugbrücke schloss den Haupttorbogen, ihre Größe ist bis heute gut an der rechteckigen Blende erkennbar. Links daneben gab es eine kleine Fußgängerpforte mit aufziehbarem Steg, einer Mini-Zugbrücke. Der Vorteil: Für Fußgänger musste nicht jedes Mal die große Brücke bewegt werden.

Die kleine Tür links neben dem Tor ist heute vermauert, aber noch gut sichtbar; die eiserne Aufzieh-Rolle oben und die Achslager sind sogar noch erhalten. Am äußeren Ende der Brücke stand zusätzlich ein äußeres Torhaus aus Fachwerk mit Torstüblein (belegt 1487/88, erneuert 1555, heute verschwunden). Die Brücke war damit von beiden Seiten gesichert.

Hat E. T. A. Hoffmann auf der Altenburg gearbeitet?

Ja, und zwar nach eigenem Zeugnis. Hoffmanns Bamberger Tagebuch belegt mehrtägige Aufenthalte oben auf der Burg: Im Juni 1812 ist er »auf die Altenburg gezogen«, notiert am 26. Juni schlicht »Gearbeitet« und genießt das »Eremitenleben«. Vor allem malte und dekorierte er hier; daneben entstand auf der Burg der Aufsatz »Johann Kreislers Gedanken über den hohen Werth der Musik«.

Hier fasste Hoffmann auch den Plan zu seiner Oper Undine, deren Komposition er allerdings erst ein Jahr später, nach seinem Weggang aus Bamberg, begann.