Quelle · 1493 · Stadtvedute, Holzschnitt-Doppelseite in einem Inkunabel-Druck
Hartmann Schedel: Liber Chronicarum (Nürnberger Weltchronik), Blatt CLXXV »BAMBERGA — MONS MONACHORUM«

Schedel 1493, Liber Chronicarum, Blatt CLXXV »Bamberga — Mons Monachorum«
Die früheste bekannte bildliche Darstellung der Altenburg ist eine Holzschnitt-Doppelseite aus Hartmann Schedels Liber Chronicarum, der Nürnberger Weltchronik, gedruckt 1493 bei Anton Koberger. Das Bild entstand sechzig Jahre vor dem Brand von 1553 und zwei Jahrzehnte vor dem Renaissance-Ausbau, den Fürstbischof Georg III. Schenk von Limpurg 1520/21 betrieb.
Schedel, ein Nürnberger Arzt und Humanist, ließ die Holzschnitte in der Werkstatt von Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff schneiden. Bamberg gehörte zu den rund dreißig Städten, für die eigens eine Vedute entstand, im Unterschied zu den vielen Mehrfach-Holzschnitten, die in der Chronik wechselnd für verschiedene Orte stehen. Die lateinische Erstausgabe erschien am 12. Juli 1493, die deutsche im Dezember desselben Jahres, aus der die hier gezeigte Tafel mit der Beischrift »BAMBERGA« und »MONS MONACHORUM« stammt.
Was die Bamberg-Vedute zeigt
Blatt CLXXV gibt einen Panorama-Blick auf Bamberg von Westen über die Regnitz: im Vordergrund der Fluss mit Brücke und gemauertem Stadttor, in der Mitte der Dom mit seiner viertürmigen Silhouette, rechts der Michelsberg mit der Stiftskirche (»Mons Monachorum«, Mönchsberg) und links im Süden auf einem freistehenden Hügel die Altenburg.
Die Burg lässt fünf Bauteile erkennen: den mehrgeschossigen Hauptbau (Kemenate) mit Fachwerk-Obergeschoss und Walmdach, den hohen schlanken Bergfried, vier Eck- und Wehrtürme mit pyramidalen Dächern, den Mauerring mit Zinnen und einen kleineren Bau an der Nordseite des Burgkegels, der nach Lage und Form mit dem heute noch stehenden Gebäude korrespondiert, das wir als ETA-Hoffmann-Klause kennen. Dieses Ensemble deckt sich mit dem Bauinventar, das sich aus den fürstbischöflichen Hofkammerzahlamt-Rechnungen ab 1487 rekonstruieren lässt: Kemenate, Bergfried, Wehrmauern mit Türmchen, Torhaus und äußeres Torhaus.
Datierung
Der Holzstock der Bamberg-Vedute wurde vor dem Druckjahr 1493 geschnitten, plausibel im Zeitraum zwischen dem Vertragsschluss Schedels mit Koberger und der Drucklegung, also grob zwischen 1487 und 1492. Das Bild zeigt die Altenburg damit als bewohnte fürstbischöfliche Burg, eine Generation vor dem Renaissance-Ausbau und sechzig Jahre vor ihrer Zerstörung.
Dass der linke Hügel die Altenburg ist, lässt sich topographisch eindeutig festmachen. Aus westlicher Sicht über die Regnitz liegt die Burg im Süden auf einem freistehenden Hügel, deutlich abgesetzt vom Dom-Stadtkern, genau in der Position, die der Holzschnitt zeigt. Eine andere Bamberger Burg kommt nicht in Frage: der Babenberger-Bau auf dem Stephansberg war längst vergangen, die fürstbischöfliche Hofhaltung lag im Stadtkern beim Dom, der auf der Vedute klar mit seinen Türmen erscheint.
Albrecht Dürer und die Werkstatt
Die Schedel-Chronik ist zugleich das früheste mögliche Berührungsfeld zwischen Albrecht Dürer und Bamberg. Dürer war von 1486 bis 1489/90 Lehrling bei Michael Wolgemut, also in derselben Werkstatt, die die Chronik-Holzschnitte konzipierte und ausführte. Anton Koberger, der Verleger, war Dürers Patenonkel. Ob Dürer an einzelnen Schnitten direkt mitgewirkt hat, ist in der Forschung umstritten; für die Bamberg-Vedute gibt es keine Zuschreibung an ihn, der Schnitt gilt als Arbeit Wolgemuts und Pleydenwurffs. Ob Dürer die Bamberg-Vedute selbst in der Werkstatt gesehen hat, hängt am genauen Schnitttermin des Holzstocks; wahrscheinlich ist es, belegt nicht. Siebenundzwanzig Jahre später, 1520, kam Dürer selbst nach Bamberg und zeichnete am Bischofshof Georgs III. So markieren Schedel 1493 und Dürer 1520 die beiden Pole, zwischen denen die Renaissance-Phase der Burg liegt, die der Artikel altenburg-um-1550 beschreibt.
Die Burg im Text des Blattes
Der frühneuhochdeutsche Beschreibungstext der Doppelseite erwähnt die Burg ausdrücklich, gleich im topographischen Eröffnungs-Inventar Bambergs, direkt nach Lage und Schifffahrt und vor der Babenberger-Genealogie:
Ob der statt auff eim hohen berg ist ein burg oder schloß von natur vnd mit kunst befestigt.
Es folgt die spätmittelalterliche Namens-Sage, die den Stadtnamen auf eine Tochter Baba des Sachsenherzogs Luitolf zurückführt. Historisch ist diese Herleitung längst überholt, als Beleg für den Stand der populären Etymologie am Ende des 15. Jahrhunderts aber aufschlussreich:
Nu het Luitolfis der hertzog zu Sachßen einen sun genant Otto der gepare den demütigen zugenamt (der darnach römischer König vnd teutschem Land vor was) vnd ein tochter Baba genant, von der diese statt Babenberg den namen hat, wiewol sie von ettlichen Pfabenberg genennt wirdt.
Daran schließt die Erzählung vom Verrat des Mainzer Erzbischofs Hatto und der Enthauptung des Babenbergers Albrecht, die in Bamberg über Jahrhunderte mit der Burg verbunden blieb:
Dieselb Baba grefin zu Babenberg gepare zwen söne Reynoldum (den hertzog Cunrat erschlug) vnd Albrechten, den edelsten grafen der Francken, des vorgenanten Otten hertzogen in Sachßen vnd Thüringen enicklein. Der den Cunraten, den bruder könig Ludwigs, von erschlagung wegen seins bruders auch vom leben zum tod bracht vnd sich darumb in die benantten burg fueget vnd ettwielanng des königs belegerung geduldet. Vnd nach dem aber die bestreyttung der burg für schwerlich geachtet wardt, so wardt zu arglistigkeit vnd betriegerey zuflucht genomen, vnnd Hatto der bischoff zu Mayntz als ein diener solcher vbeltat gefunden. Dan er zohe zu graff Albrechten auff die burg vnd saget er wölt des kriegs ein entschaider sein, vnd hatte den grafen zum kaiser hinab in das heergeleger zekomen, so wölt er ime fride geben oder ine vnbeschedigt widerumb in die burg füren. Dem glawbet graff Albrecht vnd empfieng darauff gelübd vnd ayd von Hattone dem ertzbischoff, vnd gieng mit ime für die burg. Vnnd als sie aber kawm herauß komen warn, do sprach Hatto: die sachen möchten sich villeicht bey dem kaiser lang verziehen, darumb möcht ein nutzer rat sein vor die speiß zenemen. Dem grafen gefiele die wort des bischofs wol, vnd gieng wider in die burg hinein vnd gab dem bischof das frumal zeeßen vnd begeret keiner andern sicherheit von ime. Als sie nw geeßen hetten, do zohe graff Albrecht mit dem bischoff hin zu dem kaiser, daselbst wardt er alßpald gefangen vnd zum tod verurteilt. Do vermanet der graff den bischoff seiner vertröstung vnd zusagung der sicherheit. Der wenig gotförchtig bischoff antwurtet vnd sprach: das er seiner vertröstung vnd zusagung genüg getan, das er ine erstlich auß der burg vnd alßpald widerumb hynein zu dem frumal vnbeschedigt geführt hett. Dan er het ime nicht versprochen ine zwaymal wider haym zu führen. Also ward der vnglückhaftig Albrecht enthawbtet.
Der Kern der Erzählung ist die rabulistische Wortverdrehung am Schluss: Hatto hatte geschworen, Albrecht aus der Burg und zurück unbeschädigt zu führen, und das hatte er beim zwischenzeitlichen Frühmahl getan. Für den zweiten Weg, hinab zum Kaiser, sah er sich an seinen Eid nicht mehr gebunden.
Bildergalerie
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Detail der Altenburg auf dem linken Hügel der Schedel-Vedute. Geschlossene Burganlage mit hohem Bergfried, Eck- und Flankentürmen, Mauergürtel und Burgdorf. Älteste gedruckte Darstellung der Altenburg. Detail Blatt CLXXV -

Kolorierte Variante derselben Bamberg-Vedute aus einer zeitgenössisch ausgemalten Ausgabe der Schedelschen Weltchronik. Blatt CLXXV (koloriert)