Quelle · 1618 · Stadtansicht und Vogelschauplan in Kupferstich, mit lateinischem Begleittext-Blatt, in einem mehrbändigen Städteatlas

Georg Braun und Franz Hogenberg: Civitates Orbis Terrarum, Vol. VI (1617/1618), Blatt 15 »BAMBERGAE Episcopalis in Franconiae urbis celeberrimae typus« mit lateinischem Begleittext

Georg Braun (1541–1622, Kölner Geograph und Theologe, Hauptredakteur) und Franz Hogenberg (Kupferstecher, ausführender Künstler)

Georg Braun und Franz Hogenberg: Civitates Orbis Terrarum, Vol. VI (1617/1618), Blatt 15 »BAMBERGAE Episcopalis in Franconiae urbis celeberrimae typus« mit lateinischem Begleittext, Georg Braun (1541–1622, Kölner Geograph und Theologe, Hauptredakteur) und Franz Hogenberg (Kupferstecher, ausführender Künstler), 1618
Georg Braun und Franz Hogenberg: Civitates Orbis Terrarum, Vol. VI (1617/1618), Blatt 15 »BAMBERGAE Episcopalis in Franconiae urbis celeberrimae typus« mit lateinischem Begleittext

Braun und Hogenberg 1618, Civitates Orbis Terrarum, Vol. VI Blatt 15, »BAMBERGAE«

Der Bamberg-Vogelschauplan aus dem sechsbändigen Städteatlas Civitates Orbis Terrarum zeigt die Stadt rund fünfundsechzig Jahre nach dem Markgrafenbrand von 1553, mitten in der Wiederaufbauphase. Erstdruck war 1617; die Kupferplatte des hier gezeigten Blattes datiert 1618 (van der Krogt Vol IV-2: 356, st. 1), die gegenüberliegende Text-Doppelseite wurde für die Neuausgabe von Peter von Brachel 1635 komplett neu gesetzt (van der Krogt 41:1.6). Beide gehören zur XVIII. Sammelausgabe der Civitates, die Brachel c. 1640 als letzte Ausgabe der sechs Bände in Köln vertrieb. Die Altenburg ist in der Plan-Legende als »6. Aldenburgum« verzeichnet, und der lateinische Begleittext enthält eine frühe gedruckte Aussage zur Babenberger-Frage.

Herausgeber sind Georg Braun (1541 bis 1622), Kölner Geograph und Theologe, und der Kupferstecher Franz Hogenberg. Ihre Städtebücher erschienen ab 1572 in sechs Bänden und sind die erste systematische gedruckte Sammlung von Stadtansichten Europas. Gewidmet ist das Blatt »Iohannes Philippus Dei Grat. Eps Bambergentis«, also Johann Philipp von Gebsattel, Fürstbischof von Bamberg 1599 bis 1609. Der Stich entstand damit vor 1609, auch wenn die Druckauflage später erschien.

Was der Plan zeigt

Vogelschau mit Nordwest oben. Der geschwungene Regnitzverlauf im Plan (von der linken oberen Bildhälfte kommend, mit charakteristischer Krümmung nach Südosten) deckt sich mit dem heutigen Verlauf im Vergleich mit Nord-oben-Luftbildern. Rechts oben die Widmungs-Banderole mit dem Wappen Johann Philipps von Gebsattel, links unten die beiden Legenden-Spalten, rechts unten eine kleine Staffage mit zwei Bamberger Bürgern und einer Kutsche. Im Zentrum die Stadt mit dem Regnitzlauf, Dom und Michelsberg.

Die Legende ist zweispaltig systematisiert: Buchstaben A bis b für Kirchen, Klöster und geistliche Bauten (Dom, Michelskloster, Kollegien, Pfarrkirchen, Bettelordenskonvente, Hospize), Zahlen 1 bis 14 für weltliche Bauten und Hospitäler. Die Altenburg trägt die Nummer 6:

  1. Aula vetus (Alte Hofhaltung)
  2. Aula nova (Neue Residenz)
  3. Aula Principis (fürstliche Residenz)
  4. Domus Praepositi (Propstei)
  5. Domus Decani (Dekanei)
  6. Aldenburgum (die Altenburg)
  7. Praetorium novum (neues Rathaus)
  8. Vetus Praetorium (altes Rathaus)
  9. Aula civium (Bürgerhalle)
  10. Nosocomium S. Antonii
  11. S. Magdalenae
  12. S. Marthae
  13. Nosocomium Gall(icae) morb(us) laborant(ium) (Hospital der Franzosenkranken)
  14. Nosocomium B. Virginis

Die Altenburg zählt damit auch ein halbes Jahrhundert nach ihrer Zerstörung zu den bedeutenden weltlichen Bauwerken der Stadt und rangiert in der Aufzählung noch vor den beiden Rathäusern.

Ausschnitt der Legende links unten im Blatt: Buchstaben-Spalte für kirchliche, Zahlen-Spalte für weltliche Bauten. »6. Aldenburgum« in der rechten Spalte.

Die Burg im lateinischen Begleittext

Textseite »BAMBERGA« aus Vol. VI der Civitates, Peter von Brachel, Köln 1635. Enthält die etymologische Herleitung des Stadtnamens, die Bistumsgründung 1006/1019, den Passus über die Burg als Grafensitz und die politische Geographie Bambergs im frühen 17. Jahrhundert. Reproduktion: David Rumsey Map Collection, List-No 12126.664 (CC BY-NC-SA 3.0).

Der Text auf der gegenüberliegenden Seite folgt eng der Schedel-Etymologie von 1493 und leitet den Stadtnamen von Baba ab, der Tochter Ottos von Sachsen und Gemahlin Albrechts, des Grafen von Bamberg:

URBE Bamberga vulgo appellatur, Franconiae ad Regnitium amnem ciuitas, vnanimi historicorum consensu Bab-berga, seu Mons-Baba, dicenda est, à Baba, Othonis Saxoniae Ducis filia, Alberti Bambergensis Comitis coniuge. Pauonis montem alii dictam volunt, sed quia originationis nullam causam adferunt, penes ipsos sit fides.

»Die Stadt wird gewöhnlich Bamberg genannt. Eine Stadt Frankens am Fluss Regnitz, nach einhelliger Übereinstimmung der Historiker eigentlich Bab-berga oder Mons-Baba zu nennen, nach Baba, der Tochter Otto, Herzogs von Sachsen, Gemahlin Albrechts, Grafen von Bamberg. Andere wollen sie Pfauenberg genannt wissen; weil sie aber keinen Grund für die Herleitung beibringen, sei das ihre Sache.«

Der Text enthält eine direkte lateinische Parallele zu Schedels frühneuhochdeutschem »ist ein burg oder schloß von natur vnd mit kunst befestigt«:

Bambergensi ciuitati mons imminet praeccelsus, cui arx imposita est tam loci genio quam operibus admodum munita, Comitum olim sedes. Quorum stirpe extincta, vti supra diximus, Comitatus ille in Cathedralem Ecclesiam est commutatus.

»Über der Stadt Bamberg ragt ein sehr hoher Berg auf, auf dem eine Burg erbaut ist, durch natürliche Lage wie durch Bauwerke besonders befestigt, einst Sitz der Grafen. Nachdem deren Geschlecht erloschen war, wie wir oben sagten, wurde diese Grafschaft in das Domkapitel umgewandelt.«

Mit »Comitum olim sedes«, einst Sitz der Grafen, verortet Braun die Babenberger-Grafen ausdrücklich auf der Altenburg, gut zweihundert Jahre vor Rudharts Gegenthese von 1835. Damit steht die Altenburg-These in einem der weit verbreiteten gedruckten Geographie-Werke des frühen 17. Jahrhunderts und schließt an die deutschsprachige Fassung bei Schedel 1493 an.

Zur Bistumsgründung folgt Braun ebenfalls der älteren Tradition. Er nennt 1006 als Todesjahr Reinholds, des letzten Babenberger-Grafen, und 1019 oder 1020 als Jahr der Domweihe durch Papst Benedikt VIII., zu der ihn Kaiser Heinrich II. und Kunigunde gebeten hätten:

Anno post Christum natum M.VI. Reinholdo ultimo horum Comitum sine liberis defuncto, ciuitas haec cum toto Comitatu sub Imperii ditionem concessit: sed non multo post à S. Henrico Imperatore et Cunegunda eius vxore Episcopatus ibi fuit institutus.

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