Quelle · 1740 · Kupferstich, Panorama-Vedute mit deutsch-lateinischem Legenden-Apparat

Friedrich Bernhard Werner / Johann Christian Leopold, „Bamberga / Bamberg". Augsburger Kupferstich-Vedute um 1740

Friedrich Bernhard Werner (Zeichner, 1690 bis 1776) und Johann Christian Leopold (Stecher und Verleger Augsburg, 1699 bis 1755)

Friedrich Bernhard Werner / Johann Christian Leopold, „Bamberga / Bamberg". Augsburger Kupferstich-Vedute um 1740, Friedrich Bernhard Werner (Zeichner, 1690 bis 1776) und Johann Christian Leopold (Stecher und Verleger Augsburg, 1699 bis 1755), 1740
Friedrich Bernhard Werner, „Bamberga / Bamberg". Augsburger Kupferstich-Vedute, gestochen und verlegt durch Johann Christian Leopold um 1740. Bamberg-Panorama mit Altenburg rechts, Domhügel und Michelsberg links, ausgedehnten Weinbergen im Mittelgrund und Bauern, Viehszene im Vordergrund.

Werner / Leopold, Bamberga / Bamberg (um 1740)

Diese Augsburger Kupferstich-Vedute zeigt Bamberg von Süden, gezeichnet von Friedrich Bernhard Werner (1690 bis 1776) und um 1740 von Johann Christian Leopold (1699 bis 1755) gestochen und verlegt. Die Komposition zirkulierte in mehreren Augsburger Editionen, neben Leopold auch bei Joh. Wolff und bei Georg Balthasar Probst; eine dieser Varianten hat Christoph Graf von Pfeil 1986 als Umschlagbild seiner Altenburg-Monographie verwendet. Werner war ein schlesischer Architekt und Vedutenzeichner und der Hauptlieferant der Augsburger Stadtansichten-Verlage des 18. Jahrhunderts.

Das Panorama ist oben von Cherubim-Szenen mit den Schriftrollen „Bamberga / Bamberg” und einem Wappen-Cartouche gerahmt. Im rechten Bilddrittel sitzt die Altenburg auf ihrem Bergsporn, im Mittelgrund breiten sich die Weinberge am Südhang zwischen Stadt und Burg aus, im Vordergrund sorgen Bauern und Vieh für die bildtypische Staffage.

Die Altenburg vor dem Schönborn-Umbau

Der Wert des Stichs liegt darin, dass er die Burg in dem Zustand zeigt, den sie zwischen dem Markgrafenbrand von 1553 und der großen Restaurierung unter Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn einnahm. Pfeil 1986 hat aus den Akten belegt, dass Schönborn die Altenburg 1743 bis 1746 unter der Bauleitung Johann Michael Küchels umfassend erneuern ließ: ein neues Aussichtsgeschoss mit steinerner Pfeiler-Galerie auf dem Bergfried, der Neubau der Ostmauer und der Umbau der Bogenhalle im mittleren Mauerturm. Der Werner-Stich entstand davor.

Das zeigt sich am Bergfried selbst: Er erscheint als glatter runder Turm mit Spitzhelm, ohne die Pfeiler-Galerie, die Schönborn erst aufsetzen ließ. Auf der Helmspitze sitzt nur ein Knauf. Die eng verwandte Probst-Variante (Staatsbibliothek Bamberg VB 45/b) zeigt zusätzlich einen seitlichen Galgenarm mit hängendem Korb am Turmschaft; eine Funktion als »Signalfeuer-Gefäß für die Festtagsbeleuchtung« ist durch keine Schriftquelle belegt.

An der Stelle, an der ab 1901 Gustav Haeberles Hauptgebäude, der heutige Palas, entstehen wird, zeigt der Stich noch eine niedrige, scheunenartige Wirtschaftsbebauung im Burghof. Haeberle hat ihren Grundriss 1922 nachträglich als „Ehemaliger Scheunenbau auf der Altenburg. Bestand bis zum Jahre 1900” festgehalten. Links daneben steht der eckige Nordostturm der Burg noch aufrecht, ein Bauteil, das heute verschwunden ist: Küchel meldete 1765/66, der alte Turm sei „nicht mehr zu retten”, und Lorenz Fink zeichnete 1797 nur noch dessen eingefallene Reste. Der Werner-Leopold-Stich ist also einer der wenigen Bildbelege seines aufrechten Zustands.

Im Mittelgrund schließlich dokumentiert der Stich mit den klar terrassierten Weinbergsflächen am Südhang die Bamberger Weinbau-Landschaft des 18. Jahrhunderts, bevor sie im 19. Jahrhundert weitgehend dem Obstbau wich.

Bildergalerie

  • Detailansicht der Altenburg im rechten Bilddrittel. Burganlage mit rundem Bergfried, der noch glatt und ohne die steinerne Pfeiler-Galerie erscheint, niedrige Wirtschaftsgebäude an Stelle des heutigen Hauptgebäudes, geschlossener Mauergürtel mit Eckturm im Nordosten. Im Vordergrund Bauernfiguren und Vieh als bildtypische Staffage. Zustand vor der Schönborn-Restaurierung 1743 bis 1746.
    Detailansicht der Altenburg im rechten Bilddrittel. Burganlage mit rundem Bergfried, der noch glatt und ohne die steinerne Pfeiler-Galerie erscheint, niedrige Wirtschaftsgebäude an Stelle des heutigen Hauptgebäudes, geschlossener Mauergürtel mit Eckturm im Nordosten. Im Vordergrund Bauernfiguren und Vieh als bildtypische Staffage. Zustand vor der Schönborn-Restaurierung 1743 bis 1746. Detail rechte Bildhälfte
  • Detailansicht der Stadt Bamberg im Bildmittelpunkt. Domhügel links, Michelsberg dahinter, dazwischen ausgedehnte Weinbergsflächen am Südhang zwischen Stadt und Altenburg.
    Detailansicht der Stadt Bamberg im Bildmittelpunkt. Domhügel links, Michelsberg dahinter, dazwischen ausgedehnte Weinbergsflächen am Südhang zwischen Stadt und Altenburg. Detail Bildmitte

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