Quelle · 1803 · Bildtafel-Sammlung kolorierter Aquatinta-Stiche mit chrono-genealogischen Begleittexten
A. Wolfgang Küffner: Sammlung der Ruinen und Ritterburgen Frankenlands, mit chrono-genealogischen Anmerkungen. 1tes Heft

Küffner 1803, Sammlung der Ruinen und Ritterburgen Frankenlands, 1. Heft
Dieses erste Heft einer Sammlung fränkischer Burgenansichten, herausgegeben 1803 vom Nürnberger Kunsthändler und Kupferstecher A. Wolfgang Küffner, enthält die älteste Bildquelle der Altenburg in unserem Bestand. Die kolorierte Aquatinta „Die Altenburg bei Bamberg”, gezeichnet von Georg Adam, zeigt die Burg von Süden, ein gutes Jahrzehnt bevor Joseph Heller und Heinrich Joachim Jaeck ihre Beschreibungen veröffentlichten. Daneben steht auf einer eigenen Seite ein ausführlicher Begleittext, der die Altenburg in der Schwelle der Säkularisation festhält, kurz nachdem Adalbert Friedrich Marcus sie 1801 vor dem völligen Verfall bewahrte.
Im Vorbericht erklärt Küffner sein Vorhaben mit dem Geist der frühromantischen Ruinen-Faszination. Er wolle die fränkischen Burgen „in ihrem noch gegenwärtigen Zustande nach der Natur aufnehmen”, bevor das industrielle Zeitalter sie als Steinbruch verbraucht: Man baue „Wohnungen für Menschen aus ihren Steinen”, schreibt er, und es müsse „einst die Zeit kommen, wo man sich von den Burgen unserer Vorfahren … gar keinen Begriff mehr machen kann”. Das Heft versammelt neben der Altenburg die Ruinen von Bernfels, Leyenfels, Rabeneck, Wildenfels und Wüstenstein.
Der Stich
Die Altenburg-Tafel ist eine sepiabraun kolorierte Aquatinta, unten links signiert „Georg Adam”. Sie zeigt die Burg auf ihrem Hügel von Südwesten: den hohen runden Bergfried mit der 1758 aufgesetzten Schieferkuppel, den Fachwerk-Wohnbau und das angrenzende Gebäude, dazwischen verfallende, zum Teil schon abbrechende Mauerzüge. Über den ganzen Hang ziehen sich die Weinberg-Terrassen, vorn am Weg stehen zwei kleine Figuren. Es ist das früheste Bild, das die Burg im Ruinenzustand zwischen Markgrafenbrand und Wiederherstellung dokumentiert.
Der Begleittext
Die Beschreibung beginnt mit Lage und Fernsicht: Das „uralte Schloß, die Altenburg, oder eigentlich die alte Burg genannt”, liege eine kleine halbe Stunde oberhalb der Stadt, südwestlich „auf dem Gipfel eines hohen Berges, so, daß man die, eine Tagreise davon entfernte Vestung Coburg sehen kann.”
Zur Frühgeschichte folgt Küffner der Babenberger-Tradition: „Vor Alters, und zwar vorzüglich noch A. 804. bis 905. bewohnten es die Grafen von Babenberg, von welchen der Ursprung des Hochstiftes Bamberg hergeleitet wird. Der letzte Graf war Rheinholdus (oder Rheinhardus), welcher A. 1007. gestorben ist.” Den Namen erklärt er aus einem Gegensatzpaar: Die Burg habe zuvor „Bainburg” geheißen, weil gegenüber, wo die Domherrnhöfe stehen, der bischöfliche Hof als „neue Burg” lag. Die Altenburg sei also „die Burg bei der Burg” und in der Folge zur Unterscheidung „die alte Burg” genannt worden.
Vom „vormals sehr vesten Schlosse” seien nur noch Ruinen übrig. Die „noch stehende, zum Theil verfallene Ringmauer”, schreibt Küffner, sei „zwischen 1540. und 1550. erbaut worden”. Dass die Burg oft belagert wurde, belegten die vielen eisernen Pfeile, die man in den Weinbergen fand und die teils in den Bamberger Naturalienkabinetten lagen. Um das Alter der Burg kenntlich zu halten, sei 1758 „der sehr hohe, runde Thurm gut reparirt und mit einer Schieferkuppel bedekt worden”.
Es folgt eine genaue Beschreibung des Turmaufstiegs: über eine Schneckentreppe von 53 Stufen in einem Nebenturm, dann 36 hölzerne Tritte zum Turmkranz mit gezähnter Brüstung und „malerisch schöner Aussicht”, schließlich noch 48 Stufen und eine Leiter bis in die Turmhaube. Die Sichtlinie an der Gaustadter Kapelle vorbei ziele genau auf die Coburger Veste Ehrenburg und bezeichne die Meridianlinie. Eine präzise datierte Beobachtung schließt sich an: „Im Jahr 1790. am 4ten May ist der obere Theil dieses Thurms durch Zündung eines Gewitterschlags abgebrannt.”
Im Hof nennt Küffner einen sehenswerten Schöpfbrunnen mit Triebrad, „welcher 55. Schuhe bis zum Wasser, und 15. Schuhe im Wasser selbst, also 70. Schuhe in Allem tief ist”, dazu die Kirchweih am Walburgistag und die guten Weinberge ringsum, darunter das „Beringerfeld”.
Zwei Gewalttaten verbindet der Text mit dem Ort. Fast in der Mitte des Berges stehe „ein flacher Stein mit einer Aufschrift”, der die Stelle bezeichne, wo Adelbert, Graf von Babenberg, durch Hatto, Bischof von Mainz, „hinterlistig aus dem Schlosse gelokt” und auf Befehl König Ludwigs enthauptet worden sei. Und „auf diesem Schlosse” sei 1208 jener Meuchelmord geschehen, bei dem Otto, Pfalzgraf von Wittelsbach, „dem Kaiser Philipp, dem Schwaben, einen Hieb in den Hals versezte, woran jener sogleich starb”.
Den Schluss bildet ein Appell und eine Zeitzeugen-Notiz, die für unser Marcus-Material zentral ist. „Zu wünschen ist es”, schreibt Küffner, „daß diese Altenburg, als die Wiege des Fürstenthums Bamberg nicht ganz zu Grunde gehe!” Und unmittelbar danach: „Der Herr Hofrath und Leibarzt Marcus übernahm das noch Stehende zur eigenen Oekonomie in Miethe, brachte das angrenzende Terrain käuflich an sich, ließ es von Dornen und wildem Gesträuche reinigen und den Plez urbar machen, welches dem Berge nun ein schönes Ansehen giebt.” Damit hält Küffner schon 1803, gleich nach Marcus’ Erwerb, dessen Rettungswerk fest, lange bevor die spätere Vereinsgeschichte es zur Gründungserzählung machte.