Quelle · 1819 · Burgbeschreibung, gedruckt

Heinrich Joachim Jaeck: Kurze Beschreibung der Altenburg, Bamberg 1819

Heinrich Joachim Jaeck (1777–1847), Bibliothekar der Königlichen Bibliothek Bamberg

Heinrich Joachim Jaeck: Kurze Beschreibung der Altenburg, Bamberg 1819, Heinrich Joachim Jaeck (1777–1847), Bibliothekar der Königlichen Bibliothek Bamberg, 1819
Frontispiz: „Die Altenburg", Kupferstich, 1819. Älteste publizierte Burg-Ansicht der Vereinsära mit Bergfried, Wachtturm und Torhaus.

Jaeck 1819: Kurze Beschreibung der Altenburg

Ein Jahr nach der Gründung des Altenburgvereins veröffentlichte Heinrich Joachim Jaeck (1777–1847), Bibliothekar der Königlichen Bibliothek Bamberg, diese eigenständige Burgbeschreibung. Sie ist die früheste Burgbeschreibung der Vereinsära und zugleich ein Werbeschreiben: Jaeck will die Bürgerschaft für die Rettung der verfallenen Burg mobilisieren. Der Text führt durch die Anlage, vom Aufstieg über die Eingangshalle bis auf den Bergfried, und hält dabei den Zustand der Burg um 1819 mit zahlreichen Details fest.

Verfallszustand vor 1818

Schon im Vorwort klagt Jaeck über die jahrzehntelange Vernachlässigung und dankt den „besonders vereinten Bewohnern Bambergs” für ihre Rettungsanstalten:

Meinen von erster Jugend an genährten tiefen Schmerz über die gänzliche Verwahrlosung dieser Wiege Bambergs äußerte ich zu oft in meinen Schriften, als daß ich nicht auch meinen freudigen Dank über die kräftigen Anstalten zur möglichsten Erhaltung und Verschönerung derselben durch die für diesen Zweck besonders vereinten Bewohner Bambergs aussprechen sollte. Wir können unsere schmerzliche Erinnerung, daß die fünf letzten Fürstbischöfe und die mit ihnen verbrüderten Domherrn die Altenburg sogar bis zum Einstürzen des fürstlichen Hauptbaues außer Acht ließen, jetzt wieder aus uns verdrängen.

Ausdehnung, Pallisadenring und Tiergarten

In der Vorzeit war die Altenburg fast bis an die Ziegelhütte und das Wiesenthal der Karmeliten auf der einen Seite, und bis an das Dorf Wildensorg auf der andern rings herum mit Pallisaden und Mauern begränzt. […] Der letzte Bischof, welcher in seiner dortigen Sommerwohnung beängstigt wurde, hieß Weigand von Redwitz; ihn beunruhigten die empörten Bauern in der Karwoche des Jahres 1525.

Den Namen „Tiergarten” für den umzäunten Bezirk erklärt Jaeck aus der späteren Wildhege, und das Ende der Pallisaden datiert er auf die Zeit nach dem Westfälischen Frieden:

Doch wurden die verschiedenen Thierarten innerhalb der Pallisaden noch geraume Zeit gehegt, nachdem die Burg als fürstbischöfliche Residenz schon lange verwaist war, weswegen auch der Name Thiergarten fast bis auf unsere Zeiten sich erhalten hat. Die äußere Pfahlbeschränkung der Burg hat der Zahn der Zeit vernichtet, und der seit dem Westfälischen Frieden vom Jahre 1648 immer mehr sich entwickelnde Freiheitsinn aller Deutschen ließ auch keine neuen Pallisaden an die Stelle der verfaulten mehr kommen.

Aufstieg, Wilhelms-Ruhe, Kreuzaltar

Nach einigem Vorschreiten in der neuen Allee zieht uns der gewürzhafteste Duft an einen Blumenkorb, neben welchem eine steinerne Ruhebank vor einer einfachen Inschrift im Felsen zu einem Blicke auf die ferne Burg in Banz einladet, weswegen man auch diesen Standpunkt Wilhelms-Ruhe nennen möchte. […] Wählt man den nächsten Weg zur Rechten über die Steinkolosse des herabgefallenen Fürstensaales, so gelangt man über die noch anzulegende schöne Hauptreppe […] an das steinerne Kreuzaltar […]. Die Einleitung dazu macht das heute zur Kirchweihfeier verrichtete Meßopfer, welches von 1803 bis 1818 unterblieben war.

Eingang, Ziehbrücke, Ritterbildnisse

Der Eingang in die Burg ging über eine Ziehbrücke, welche einst für Abwehrung feindlicher Überfälle zum Aufzuge jedes Abends eingerichtet war, die hinter dem Thore aufgestellten Kanonen, der an einem Querbalken liegende Löwe als Zeichen des Bamberger Wapens, und die neu eingemauerten Ritterbildnisse setzen jeden Vorübergehenden in die graueste Vorzeit zurück.

Die eingemauerten Ritter-Inschriften transkribiert Jaeck einzeln. Die zweite gilt Adalbert von Babenberg und war zu Jaecks Zeit unbestritten:

Anno Domini 908 Obiit Nobilis Adalbertus De Babenberg Qui Hic Jacet Incineratus Monasterii Hujus Fundator Opum Quondam Dator Cuius Anima Requiescat Cum Sanctis. Amen. Restauratum MDCCXXIV [1724].

Darunter, so Jaeck, das Bildnis des Grafen im Harnisch mit Fahne und Schild, zwischen dessen Füßen „ein feuriger Löwe neben einer Burg ruhet”; die Tafel sei „aus der Ruine der ehem. Abteikirche zu Theres auf die Altenburg gebracht” worden. Weitere Tafeln nennen Wolf Christoph von Streitberg († 1560), Martin von Redwitz zu Redwitz († 1502) und einen Marmor-Ritter von 1520.

Eingangshalle, Burgverlies und die Sage der Hexenbetten

Die erste Thüre zur Rechten führt in die jetzige Dienstbotenkammer, worin ehemals die fürstbischöfliche Hauskapelle war, und schon der vom 26. Mai 1431 bis zum 5. Mai 1459 regierende Fürstbischof Anton von Rotenhan […] wichtige Belehnungen vorgenommen hat. […] Durch die zweite Thüre gelangt man in die Stallungen und Heumagazine, durch die dritte in ein tiefes unterirdisches Gewölbe, wo einstens die schwersten Verbrecher am Arme und Fuße in einen mit unleserlichen Zügen überschriebenen Kasten eingeklammert schmachteten […]. Die Sage der Vorzeit, daß daselbst Hexenbetten befindlich waren, mag dadurch bestätigt seyn, daß Hexen als die größten Verbrecher noch im Wahn des vorigen Jahrhunderts betrachtet, gemartert und endlich auch hingerichtet wurden.

Marcus, der Kunstgärtner Müller und der Wachtturm mit Hoffmanns Bildern

Eine für die Marcus- und Hoffmann-Überlieferung zentrale Passage verbindet die Burgvogts-Wohnung mit dem Arzt Adalbert Friedrich Marcus, dem Wirtschaftsbetrieb des Kunstgärtners Müller und der Ausstattung des Wachtturms:

Der Gewölbthüre gegenüber steigt man in die ehemalige Burgvogts-Wohnung, worin der unsterbliche Director Marcus in den Sommer-Monaten verweilend manche gelehrte Abhandlung verfaßte […]. Der Verein hat dieses Gebäude dem höchst thätigen Kunstgärtner J. Müller eingeräumt, dessen gefällige Familie zugleich Hungerige und Durstige daselbst nach Möglichkeit zu vergleichen sucht.

Die vorwärts liegende Ruine des eingestürzten Fürstenbaues zeigt den Weg zum gegenüber stehenden Wachtthurme, worin Director Marcus eine himmlisch ertönende Windharfe hatte anbringen lassen, und der ehemalige geniale Musikdirector zu Bamberg und jetzige Kammergerichtsrath Hoffmann von Berlin durch charakteristische Bildnisse sein als klassischer Schriftsteller schon bewahrtes Andenken noch mehr verewigte.

Damit ist belegt, dass E. T. A. Hoffmann in seiner Bamberger Zeit Bildnisse für den Wachtturm der Altenburg malte, die neben Marcus’ Äolsharfe die Ausstattung des Turms bildeten. Den dazugehörigen Schöpfbrunnen beschreibt Jaeck mit »in einer Tiefe von 70 Schuh noch 45 Schuh Wasserhöhe«.

Der Bergfried und der Blitzschlag von 1790

Die Bauart des inneren Hauptthurmes beweist, daß er ein Werk des vierzehnten Jahrhunderts ist, der äußere halbe Thurm mit dem Seitenthurme, worin sich die Wendeltreppe von 57 Stufen befindet, ist dem Hauptthurme aus Besorgniß seiner Unhaltbarkeit erst später noch beigesetzt worden […]. Am ersten Thurmkranze […] ist das Wapen des Fürstbischofs Albert von Wertheim, des wahrscheinlichen Erbauers dieses Thurmes, befestigt. […] auf welchem (nachdem die vorige Stiege mit dem 1738/9 vom großen Fürstbischofe Friedrich Karl von Schönborn erbauten Dache durch einen Blitz am 4. Mai 1790 Abends 7 Uhr schon vernichtet, und von den beiden letzten Fürsten nicht mehr hergestellt worden war) der am 4. Mai 1810 gestorbene Professor und Akademiker Schiegg im Jahre 1807 eine neue Holzstiege hatte bauen lassen, um […] die trigonometrische Vermessung unserer Gegend und die Beobachtungen der Gestirne vorzunehmen.

Der Verein ersetzte diese Behelfsstiege durch eine neue, bequemere Treppe mit 103 Stufen. Als tätigstes Vereinsmitglied hebt Jaeck den Postmeister von Grafenstein hervor, dem die Burgbesucher zum Kirchweihfest „die schönste Bürgerkrone” zusprachen.

Das Grabmal Marcus

Am Schluss zitiert Jaeck die Inschrift des Marcus-Grabmals auf der Burg: Dr. Adalbertus Fridericus Marcus, geboren am 22. November 1755 (in der Forschung meist 1753), gestorben am 26. April 1816.

Bildergalerie

  • Titelseite: „Kurze Beschreibung der Altenburg vom Bibliothekar Jäck. 1819." Mit Bibliotheksstempel der Königlichen Bibliothek Bamberg.
    Titelseite: „Kurze Beschreibung der Altenburg vom Bibliothekar Jäck. 1819." Mit Bibliotheksstempel der Königlichen Bibliothek Bamberg. Titelblatt
  • Vorwort: „Meinen von erster Jugend an genährten tiefen Schmerz über die gänzliche Verwahrlosung dieser Wiege Bambergs äußerte ich zu oft in meinen Schriften …"
    Vorwort: „Meinen von erster Jugend an genährten tiefen Schmerz über die gänzliche Verwahrlosung dieser Wiege Bambergs äußerte ich zu oft in meinen Schriften …" Vorwort
  • §. 1: Pallisadenring und Tiergarten. „Der letzte Bischof, welcher in seiner dortigen Sommerwohnung beängstigt wurde, hieß Weigand von Redwitz; ihn beunruhigten die empörten Bauern in der Karwoche des J. 1525."
    §. 1: Pallisadenring und Tiergarten. „Der letzte Bischof, welcher in seiner dortigen Sommerwohnung beängstigt wurde, hieß Weigand von Redwitz; ihn beunruhigten die empörten Bauern in der Karwoche des J. 1525." S. 5
  • §. 2: Wilhelms-Ruhe und steinernes Kreuzaltar. „Die Einleitung dazu macht das heute zur Kirchweihfeier verrichtete Meßopfer, welches vom J. 1803 bis 1818 unterblieben war."
    §. 2: Wilhelms-Ruhe und steinernes Kreuzaltar. „Die Einleitung dazu macht das heute zur Kirchweihfeier verrichtete Meßopfer, welches vom J. 1803 bis 1818 unterblieben war." S. 6
  • S. 7: Hauskapelle in der heutigen Dienstbotenkammer unter Anton von Rotenhan (1431 bis 1459). Fußnoten transkribieren die Ritter-Inschriften Wolf Christoph von Streitberg (1560) und Adalbert von Babenberg (Restauratum 1724).
    S. 7: Hauskapelle in der heutigen Dienstbotenkammer unter Anton von Rotenhan (1431 bis 1459). Fußnoten transkribieren die Ritter-Inschriften Wolf Christoph von Streitberg (1560) und Adalbert von Babenberg (Restauratum 1724). S. 7
  • §. 4: Bergfried. „Die Bauart des inneren Hauptthurmes beweist, daß er ein Werk des vierzehnten Jahrhunderts ist." Wappen Albert von Wertheim. Blitzschlag am 4. Mai 1790, 19 Uhr, zerstört das Schönborn-Dach von 1738/39.
    §. 4: Bergfried. „Die Bauart des inneren Hauptthurmes beweist, daß er ein Werk des vierzehnten Jahrhunderts ist." Wappen Albert von Wertheim. Blitzschlag am 4. Mai 1790, 19 Uhr, zerstört das Schönborn-Dach von 1738/39. S. 9

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