Quelle · ca. 1820 · Handgezeichneter Liquidations- bzw. Katasterplan, Maßstab im Original 1:5.000
Bayerische Uraufnahme, Kartenblatt Altenburg / Wildensorg / Bamberg, um 1820

Bayerische Uraufnahme um 1820, Kartenblatt Altenburg / Wildensorg
Handgezeichneter Katasterplan aus der Bayerischen Uraufnahme (1808–1864), entstanden für den ersten Bayerischen Grundsteuerkataster. Das Original ist eine farbig kolorierte Tuschezeichnung im Maßstab 1:5.000, kostenfrei einsehbar über den BayernAtlas unter dem Basiskarten-Layer Historische Karte.
Inhalt
Der Ausschnitt zeigt die Altenburg im Zentrum, umgeben vom Gemarkungsmuster der frühen 1820er-Jahre. Eingetragen sind:
- die Burganlage mit gelb markiertem Burghof und Mauerring
- alle Parzellen mit ihren Katasternummern in roter Tinte (1862.a, 1862.c, 1862.d für den Burg- und unmittelbaren Hangbereich, weitere Nummern für die angrenzenden Wein-, Hopfen- und Waldparzellen)
- die Wegeverbindungen als feine Schwarzstrich-Linien
- die Wein- und Hopfengarten-Parzellen durch konventionelle Symbole gekennzeichnet
- die Flurnamen in Kurrentschrift als handgeschriebene Beschriftung, in der Regel zentral in der jeweiligen Flur
Lesbare Flurnamen
Auf dem Kartenausschnitt sind in Kurrentschrift folgende Flurnamen eindeutig lesbar (Schreibweise wie in der Karte):
| Flurname | Lage relativ zur Burg | Charakter |
|---|---|---|
| Altenburg | Zentrum (Hauptburg mit Burghof) | Burgareal |
| unter der Altenburg | unmittelbar nördlich/nordöstlich der Burg | Acker- und Hopfengarten-Parzellen |
| die obere Doppschlutten | weiter nordwestlich | Hangstufe |
| Sämerleinsberg | nordöstlich oberhalb | Hopfen-/Weingarten-Berg |
| Das Haag | östlich der Burg, hangaufwärts des Weinbergwegs | Wald („Hahn”-Bestand), mittelalterlicher Volksname für den Burg-Wald |
| Burgkammer Weinberg | nordöstlich, entlang der heutigen Altenburger Straße | großflächiger Weinberg, linke Wegseite |
| Altenburger Weinberge | südlich unterhalb der Burgmauer | Weinbau-Symbole |
| Die langen Weinberge | östlich, hangabwärts entlang des heutigen Weinbergwegs | Weinbergweg-Toponym hat hier seine Quelle |
| Die Borkheimer | östlich, jenseits der „langen Weinberge” | Weinbau-Symbole |
| Weinberge | südwestlich, Übergang zum Lerchenbühl | einfacher Flurname |
| Rothof-Weinberge | etwa einen Kilometer westlich der Burg | Weinbau-Symbole, kleinflächiger als am Burgberg |
| die Lähre | weit östlich | Feldflur |
| Bamberkleim | rechter Bildrand | Anschluss-Gemarkung Bamberg |
| Rommeleins | unten links | Flur am Hangfuß |
| Lerchenbühl | unten Mitte | Hügel südlich der Burg |
Die rote Bearbeitungsgrenze in der Karte trennt die Gemarkung Wildensorg von der Gemarkung Bamberg.
Das Hohgässchen „unter der Altenburg”
Die Uraufnahme enthält den direkten Schlüsselbeleg für die geographische Verortung des im Tag-Blatt 1852 erwähnten Hohgässchens unter der Altenburg:
Der Flurname „unter der Altenburg” ist auf dem Kartenausschnitt deutlich beschriftet und bezeichnet eine zusammenhängende Feldflur direkt nördlich/nordöstlich der Burg. Diese Flur besteht aus mehreren Parzellen mit den Katasternummern 1862.a, 1862.c und 1862.d. Quer durch diese Flur verläuft ein klar gezeichneter Hauptweg, der die Flur „unter der Altenburg” mit den anschließenden Gemarkungen Wildensorg (Westen) und Bamberg (Osten) verbindet.
Die Tag-Blatt-Notiz vom 26. Juli 1852 nennt den Weg „Hohgäßchen unter der Altenburg”. Die Wendung unter der Altenburg ist damit nicht eine geographische Lagebezeichnung („unterhalb der Burg”), sondern ein belegter Flurname der Bayerischen Uraufnahme. Das Hohgässchen ist mit hoher Wahrscheinlichkeit identisch mit dem Hauptweg, der diese Flur durchquert.
Plausibilitätsprüfung
Der Befund passt zu allen anderen Indizien aus den Schriftquellen:
- Erntezeit-Funktion: Die Flur „unter der Altenburg” ist auf der Uraufnahme als Acker- und Hopfengarten ausgewiesen. Der durchquerende Weg war Erntelogistik-Weg, nicht Burgaufstieg. Das deckt sich exakt mit der Notiz von 1852.
- Vererbbrief Marcus 1801: „Gasse von dem unteren Hohlwege bis an den Fuß des Burgrangens.” Der Weg in der Flur „unter der Altenburg” verläuft genau dort, wo eine solche Querverbindung am unteren Burghang zu erwarten wäre, sei es als der „untere Hohlweg” selbst oder als dessen Teilstück.
- Schmelzing 1883: Schmelzing nennt das Hohgässchen nicht, er beschreibt ausschließlich die drei Steige zur Burg, nicht den unteren Querweg. Das passt: Schmelzing schreibt für den bürgerlichen Burgbesucher, nicht für die landwirtschaftliche Nutzung.
Weinbau-Schwerpunkt am Hang
Die Uraufnahme nutzt eigene piktografische Symbole für die Bodennutzungen: Weinberge als regelmäßige Reihen-Signaturen, Hopfen als kreuzweise gestellte Stangen, Wald als Baum-Symbole. Am Burgberg überwiegen die Weinberg-Symbole deutlich, Hopfen ist nur vereinzelt eingezeichnet. Damit ist die Karte der flurstücksgenaue Beleg für den Weinbau-Schwerpunkt am Altenburg-Hang um die Mitte des 19. Jahrhunderts, also kurz vor und während des Strukturwandels, den der Jahrhundertfrost 1829/30 und die anschließende Hopfen-Politik auslösten.
Bezug zum heutigen Straßennamen Weinbergweg: Die historischen Weinberge dieser Lage liegen auf der Karte hangabwärts Richtung Stadt („Die langen Weinberge”), nicht hangaufwärts Richtung Altenburg. Hangaufwärts trägt die Lage den Namen „Das Haag” und zeigt Wald-, keine Weinbau-Symbole. Der Straßenname konserviert also die Lage der „langen Weinberge” zum Tal hin, nicht den Burghang-Weinberg.
„Das Haag”: Wald, kein Weinberg
Der Flurname „Das Haag” am östlichen Burghang, hangaufwärts des Weinbergwegs, trägt auf der Uraufnahme keine Weinbau-Symbole, sondern Wald-Signaturen. Der Befund ist mehrfach belastbar belegt:
- Rudhart 1835 zitiert eine Urkunde aus dem mittelalterlichen Bestand des Bamberger Stifts Sankt Jacob mit dem direkten Volksnamen: „incluso nemore sive lignis contiguis praefato castro Altenburg vulgariter dictis indem hag” („einschließlich des Waldes oder der Hölzer, angrenzend an die genannte Burg Altenburg, im Volksmund ‘im Hag’ genannt”). Der Eintrag dokumentiert das Toponym als spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Sammelnamen für den Burg-Wald.
- Paschke 1968 dokumentiert für den anschließenden Bereich östlich/südöstlich der Burg den Forst-Namen „Hahn”, eine mundartliche Variante zu „Hag” (sprachgeschichtlich derselbe Stamm).
- Wiegel & Wittmann 2024 verorten die historische Gartenanlage des Bamberger Hefehändlers Pickel („Pickelswäldchen”) explizit in der „Flur ‘Das Haag’ östlich der Altenburg, am westlichen Wegrand des Weinbergweges, im Bereich der Flurstücke Nr. 1361 und 1395”.
Damit ist „Das Haag” die mittelalterliche Vorläufer-Bezeichnung dessen, was heute Teil des Burgwäldchens ist. Der Name überdauerte als Flurbezeichnung bis ins 19. Jahrhundert, später überlagert von „Hahn” und schließlich „Burgwäldchen”.
Achse Altenburger Straße / Allee-Verlauf
Ein zusätzlicher Kartenausschnitt aus dem BayernAtlas (Maßstab 1:5.000, ETRS89 / UTM 32N) zeigt die gesamte Aufstiegsachse von der Stadtkante (rechts oben) zur Altenburg (links unten) in einem Bildausschnitt. Auf diesem Ausschnitt lässt sich der Zustand der späteren Altenburger Straße und der 1821 vom Altenburgverein angelegten Ludwigallee direkt ablesen:
- Der Wegverlauf der späteren Straße ist als feine geschwungene Linie eingezeichnet, parallel an mehreren Stellen mit dem bereits angelegten Fahrweg als Doppelstrich.
- Entlang der Aufstiegsachse stehen vereinzelt Baum-Signaturen, die mit der zwischen 1820 und 1821 erfolgten Allee-Bepflanzung (Linden, Pappeln, Obstbäume) korrespondieren, die Uraufnahme dürfte den frühen Bestand zeigen.
- Die Flurnutzung links und rechts der Straße ist durchgängig agrarisch: Weinberg-, Hopfengarten- und Obstbaum-Signaturen wechseln sich ab. Die Hauptflure mit klaren Beschriftungen sind „Burgkammer Weinberg”, „Gemeines Kammer-Feld”, „obere Doppschlutten”, „Bergnerfeld” und (am östlichen Bildrand bereits stadtnah) „Dominicanerfeld” und „Kavalier Wieße”.
- Bauliche Anlagen entlang der Achse fehlen fast vollständig. Im Verlauf der gesamten heutigen Altenburger Straße ist auf der Karte nur ein einziges Gebäude eingezeichnet, etwa auf Höhe der heutigen Adresse Ziegelgasse 6. Dieses Anwesen ist auf der Karte topographisch identifizierbar als Vorgängerlage der späteren Ziegelhütte, die Wiegel & Wittmann 2024 als Bezugspunkt für den Beginn des eigentlichen Allee-Teils nennen.
