Quelle · 1823 · Burgbeschreibung, gedruckt

Heinrich Joachim Jaeck: Kurze Beschreibung der Altenburg bei Bamberg. Zweyte verbesserte und vermehrte Auflage, Bamberg 1823

Heinrich Joachim Jaeck (1777 bis 1847), königlicher Bibliothekar der Bamberger Bibliothek

Heinrich Joachim Jaeck: Kurze Beschreibung der Altenburg bei Bamberg. Zweyte verbesserte und vermehrte Auflage, Bamberg 1823, Heinrich Joachim Jaeck (1777 bis 1847), königlicher Bibliothekar der Bamberger Bibliothek, 1823
Heinrich Joachim Jaeck, Kurze Beschreibung der Altenburg bei Bamberg, zweyte verbesserte und vermehrte Auflage, Bamberg 1823. Titelblatt aus dem Bamberger Staatsbibliotheks-Exemplar JH.H.Bamb.o.25. Bayerische Staatsbibliothek München / MDZ.

Jaeck 1823, Kurze Beschreibung der Altenburg bei Bamberg (Zweite Auflage)

Zweite, „verbesserte und vermehrte” Auflage von Heinrich Joachim Jaecks (1777 bis 1847) Altenburg-Beschreibung, vier Jahre nach der Erstauflage 1819 erschienen. Jaeck war königlicher Bibliothekar der Bamberger Bibliothek (heute Staatsbibliothek Bamberg) und einer der zentralen Bamberger Topographen des frühen 19. Jahrhunderts.

Bibliografische Eckdaten

  • Titel: Kurze Beschreibung der Altenburg bei Bamberg
  • Verfasser: J. H. Jäck, k. Bibliothekar
  • Auflage: Zweyte verbesserte und vermehrte Auflage
  • Verlagsort: Bamberg, 1823
  • Umfang: 16 Seiten plus 1 Tafel (Frontispiz)
  • Druck-Signatur: Bamberg, Staatsbibliothek — JH.H.Bamb.o.25
  • BSB-Signatur: bsb11709587
  • URN: urn:nbn:de:bvb:12-bsb11709587-6

Verlorenes Frontispiz

Auf der Innenseite des Umschlags des BSB-Exemplars ist handschriftlich vermerkt: „Titelbild (Altenburg) fehlt”. Die zweite Auflage trug also ein Altenburg-Frontispiz, das im überlieferten Bamberger Exemplar nicht mehr enthalten ist. Als Vorlage ist am ehesten ein Stich nach einer zeitgenössischen Altenburg-Zeichnung anzunehmen; welche konkret, lässt sich ohne erhaltenes Exemplar der Tafel nicht sagen.

Verhältnis zur ersten Auflage

Die erste Auflage von 1819 hat 21 Druckseiten, die zweite Auflage 1823 dagegen nur 16 Seiten plus Tafel. Trotz des Untertitels „verbesserte und vermehrte Auflage” ist der gedruckte Textumfang somit kürzer ausgefallen, vermutlich durch Satzökonomie und Streichungen umfangreicherer Beschreibungspassagen.

Inhalt der Abschnitte mit zitierfähigen Passagen

Jaecks Heft ist nicht in nummerierte Kapitel gegliedert, sondern folgt einer einzigen, fließenden Erzählachse von der karolingisch-babenbergischen Vorgeschichte über die Bauphasen bis zur Marcus-Periode und zum Erbgang an den Altenburgverein. Wir gliedern hier nach thematischen Abschnitten.

1. Einleitung: Karolinger und Babenberger-Fehde (Buchseiten 1 bis 4)

Jaeck eröffnet mit einer methodischen Beobachtung, die zugleich eine implizite Korrektur älterer Bamberger Traditionen ist:

„Obgleich K. Karl der Große sich geraume Zeit in Franken aufgehalten und kräftige Anstalten für dessen Bevölkerung und Bildung getroffen hat, so ist doch keine zuverlässige Spur seiner Einwirkung auf die politische oder religiöse Begründung der Stadt Bamberg.”

Den eigentlichen Burg-Anker setzt er bei den Karolingern nach Karl dem Großen, in den Reichstagen Ludwigs des Deutschen und Arnulphs in Forchheim. Aus dem Umkreis Arnulphs zeichnet Jaeck den Liebling des Hofes:

„Adalbert von Babenberg, Graf im Grabfelde, Tullifeld und Radenzgau, Heerführer gegen die Sorbische und Böhmische Grenze, Schutzvogt des Bisthums Würzburg […]”

Es folgt die ausführliche Schilderung der Babenberger-Fehde 902 bis 906 mit der Niederlage Adalberts, der Enthauptung am 9. September 906 und der Begräbnis in Theres. Jaeck verbindet damit die Bistumsgründung 1007 sowie die Säkularisation 1802 in einem programmatischen Bogen:

„In Folge der allgemeinen Säcularisation aller teutschen Bisthümer kehrte dieses Gut im Sept. 1802 an das baierische Regentenhaus zurück, von welchem es aus frommer Gesinnung des K. Heinrich II. und aus stiller Ergebenheit seiner Gemahlin Kunegund fast 800 Jahre abgerissen war. Deßwegen könnten Bambergs Bewohner mit vollem Rechte Altbaiern genannt werden, obgleich sie als Neubaiern gewöhnlich bezeichnet sind.”

2. Frühe Bauphasen, Otto I., Anton von Rotenhan (Buchseiten 4 bis 6)

Jaeck nennt die früheste Urkundenerwähnung 1005 unter Heinrich II. und die Weihe eines Bethauses 1124 durch Otto I. von Bamberg:

„Am 4. May 1124 weihte der h. Bischof Otto I. von Bamberg ein Bethaus auf der Altenburg, wahrscheinlich auser derselben, zur Ehre der h. Philipp, Jakob, Walburgis und anderer ein, legte deren Reliquien in den Altar, und bedeckte den ganzen obern Altar mit einem großen Steine.”

3. Palisaden-Ring und Bauernkrieg 1525 (Buchseite 6)

Eine wichtige topographische Auskunft zum Umfang der bischöflichen Burg vor 1525:

„In der Vorzeit war die Altenburg fast bis an die Ziegelhütte und das Wiesenthal der Karmeliten auf der einen Seite, und bis au das Dorf Wildensorg auf der andern rings herum mit Pallisaden und Mauern begränzt. Dadurch waren unsere ehemaligen Fürst-Bischöfe gegen jeden unvermutheten feindlichen Ueberfall in ihrer friedlichen Burg möglichst gesichert.”

Mit dem Bauernkrieg endet die Wohnnutzung als bischöfliche Residenz:

„Der letzte Bischof, welcher in seiner dortigen Wohnung beängstigt wurde, hieß Weigand von Redwitz; ihn beunruhigten die empörten Bauern in der Charwoche des J. 1525; weswegen mehrere seiner Nachfolger sich nur auf ein frohes Mittagmahl in Gesellschaft […]“

4. Aufstieg, Wilhelms-Ruhe, Kreuzaltar, 1. Mai-Feier (Buchseiten 7 bis 8)

Jaeck beschreibt den von Marcus gestifteten und vom Altenburgverein erweiterten Aufstiegsweg und das öffentliche Maifest:

„[…] an das steinerne Kreuzaltar, vor welchem am 1. May jedes Jahres viele Stadtbewohner während der Feier […]“

5. Burghof, Anton-von-Rotenhan-Saal, Hexenbetten (Buchseite 9)

Im Burgkern verortet Jaeck die heraldische Spur der Bauphase 1431 bis 1459:

„[…] regierende Fürstbischof Anton von Rotenhan, mit dessen Familien-Wapen die Decke noch geziert ist, wichtige Belehnungen vorgenommen hat.”

Und unter dem Burghof das berüchtigte Verlies:

„[…] in ein tiefes unterirdisches Gewölbe, wo einstens die schwersten Verbrecher am Arme und Fuße in einem mit unleserlichen Zügen überschriebenen Kasten eingeklammert schmachteten […] Die Sage der Vorzeit, daß daselbst Hexenbetten befindlich waren, mag dadurch bestätigt seyn, daß Hexen als die größten Verbrecher noch im Anfange des vorigen Jahrhunderts […] gemartert und endlich auch hingerichtet wurden. Unserem aufgeklärten Zeitalter war die Verbannung aller Hexenträume vorbehalten.”

6. Marcus’ Burgvogts-Wohnung, Schlegg 1807, Vereins-Stiege (Buchseiten 10 bis 11)

„[…] ehemalige Burgvogts-Wohnung, worin der Unsterbliche Director Marcus in den Sommer Monaten verteilend manche gelehrte Abhandlung verfaßte, und durch stets fließenden Witz seinen ihn daselbst besuchenden Gesellen […]”

Über den Bergfried-Aufstieg dokumentiert Jaeck den Bayerischen Geodäten Schlegg 1807 und die anschließende Vereins-Maßnahme:

„Schlegg im J. 1807 eine neue Hölzstiege bauen lassen, um während seines fast zweijährigen Aufenthaltes zu Bamberg auf dem Gipfel dieses Thurmes die trigonometrische Vermessung unserer Gegend und die Beobachtungen der Gestirne vorzunehmen. Der Verein der Altenburg wurde durch die bedeutenden Geldbeiträge unserer Stadtbewohner veranlaßt, eine neue und bequemere Stiege von 107 Stufen mit einem Blitableiter an die Stelle der vorigen hölzernen Stiege über den 55 steinernen Treppen des untern Seitenthurmes setzen zu lassen.”

Die Höhenangabe des Bergfrieds: 495 Schuh.

7. Panorama von der Burg (Buchseiten 12 bis 14)

Drei Druckseiten weiträumiger Panorama-Beschreibung mit Strullendorf, Hirschaid, Buttenheim, Jägereburg, Ehrenburg, Wichsenstein, dem Rhön-Dreieck (Dreystelz bei Brückenau, Kreuzberg, Schwarzenberg) und dem Thüringer Wald bis nach Tschirn und Spitzberg.

8. Salon, Marcus’ Windharfe, E. T. A. Hoffmann-Bildnisse (Buchseite 15)

„[…] Wachthurme, worin Director Marcus eine himmlisch ertönende Windharfe hatte anbringen lassen, und der verstorbene geniale Musikdirector zu Bamberg und Kammergerichtsrath Hoffmann von Berlin durch charakteristische Bildnisse sein als klassischer Schriftsteller schon […]”

Eine der wichtigsten zeitgenössischen Belegstellen für Hoffmanns Bilderzyklus an der Altenburg, geschrieben fünfzehn Jahre nach Hoffmanns Bamberger Zeit und ein Jahr nach seinem Tod 1822.

9. Tod von Marcus 1816, Begräbnis, Grabmal (Buchseite 16)

„[…] daß er nach seinem am 26. April 1816 zu früh erfolgten Tode ebenfalls dahin begraben wurde. Sein Leichenzug am 29. April Abends 5 Uhr war von mehreren tausend Menschen begleitet, deren viele auch Thränen vergoßen. Dieselben und mehrere Andere, welche größeren Schmerz innerlich fühlten als äußerlich zeigten, sorgten, daß ein einfach schönes Grabmal auch für ihn errichtet wurde […]”

Stellung in der Forschungsachse

Jaeck 1823 ist der wichtigste publizierte Vorgänger von Heller 1829 und ein Vergleichspunkt für dessen Übernahmen. Die Kombination aus Babenberger-Erzählung, Pallisaden-Topographie, Bauphasen-Belegen und Marcus-Biographie hat Heller 1829 in erweiterter Form aufgegriffen.

Bildergalerie

  • Innenseite des Umschlags des BSB-Exemplars mit handschriftlichem Bibliotheksvermerk „Titelbild (Altenburg) fehlt". Die zweite Auflage von 1823 hatte also ein Altenburg-Frontispiz, das im überlieferten Bamberger Exemplar verloren ist.
    Innenseite des Umschlags des BSB-Exemplars mit handschriftlichem Bibliotheksvermerk „Titelbild (Altenburg) fehlt". Die zweite Auflage von 1823 hatte also ein Altenburg-Frontispiz, das im überlieferten Bamberger Exemplar verloren ist. Innenseite Umschlag
  • Beginn der Einleitung. Jaeck setzt mit Karl dem Großen ein, der zwar in Franken war, aber keine zuverlässige Spur am Bamberger Gründungsbau hinterlassen habe. Erst Ludwig der Deutsche und Arnulph verweilen in Forchheim; an Arnulphs Hof: Adalbert von Babenberg.
    Beginn der Einleitung. Jaeck setzt mit Karl dem Großen ein, der zwar in Franken war, aber keine zuverlässige Spur am Bamberger Gründungsbau hinterlassen habe. Erst Ludwig der Deutsche und Arnulph verweilen in Forchheim; an Arnulphs Hof: Adalbert von Babenberg. Buchseite 1 (Einleitung)
  • Seite über die ehemalige Burgvogts-Wohnung, in der Adalbert Friedrich Marcus seine Sommermonate verbrachte. Inkl. Hinweis auf das tiefe unterirdische Gewölbe mit dem Hexenbetten-Kasten und die Anton-von-Rotenhan-Saaldecke.
    Seite über die ehemalige Burgvogts-Wohnung, in der Adalbert Friedrich Marcus seine Sommermonate verbrachte. Inkl. Hinweis auf das tiefe unterirdische Gewölbe mit dem Hexenbetten-Kasten und die Anton-von-Rotenhan-Saaldecke. Buchseite 9/10
  • Schlusspassage mit dem Tod von Adalbert Friedrich Marcus am 26. April 1816, dem Leichenzug am 29. April und der Errichtung des Grabmals.
    Schlusspassage mit dem Tod von Adalbert Friedrich Marcus am 26. April 1816, dem Leichenzug am 29. April und der Errichtung des Grabmals. Buchseite 16 (Schluss)

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