Quelle · 1829 · Burgmonographie mit historischem Apparat, Erstausgabe
Joseph Heller: Die Altenburg bei Bamberg, Geschichte und Beschreibung derselben

Heller 1829, Die Altenburg bei Bamberg, Geschichte und Beschreibung derselben
Erste eigenständige Publikumsschrift zur Altenburg nach Oesterreicher 1821, herausgegeben acht Jahre nach Oesterreicher und elf Jahre nach Vereinsgründung 1818. Joseph Heller (1798 bis 1849), Bibliothekar an der Königlichen Bibliothek Bamberg, kombiniert eine kompakte Burgbeschreibung mit einem historisch-quellenkundlichen Apparat und vier Bildtafeln von Friedrich Karl Rupprecht. Im Untertitel programmatisch: „Geschichte und Beschreibung derselben”.
Bibliografische Eckdaten
- Verfasser: Joseph Heller (1798 bis 1849), Bibliothekar an der Königlichen Bibliothek Bamberg
- Verlag: J. C. Dresch, Bamberg und Aschaffenburg, 1829
- Umfang: 131 Druckseiten plus Inhaltsverzeichnis und Beilagen
- Bildbeigaben: vier Abbildungen plus eine Umschlag-Zeichnung von Friedrich Karl Rupprecht (1779 bis 1831), Bamberger Maler, Kupferätzer und Formschneider
- Druckexemplar: MDZ-Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München (Stempel „Bibliotheca Regia Monacensis”, Signatur Bavar. 1245, URN urn:nbn:de:bvb:12-bsb10430839-3)
Motto
Heller stellt seiner Schrift ein programmatisches Motto voran, das die romantische Burgenliebe der 1820er Jahre auf den Punkt bringt:
„Unsere Burgen und Klöster haben so viel Werth als die Trümmer alter griechischer und römischer Gebäude, so viel Werth, als egyptische Pyramiden und indische Pagoden, und sie liegen uns überdieß näher, versetzen uns in die deutsche Vorwelt, und können mit der Gegenwart am Besten versöhnen, wenn nicht so ist, wie es seyn könnte und sollte.”
Vorrede
Heller positioniert die Schrift in der Vorrede als Reise-Begleiter:
„Der Verfasser hörte auf seinen verschiedenen Wanderungen häufig auch von andern Reisenden den Wunsch aussprechen, daß von den merkwürdigen Orten und schönen Gegenden Beschreibungen mit Abbildungen vorhanden seyn möchten. Demjenigen, der im Begriffe steht, jene zu besuchen, gewähren sie Belehrung in statistischer, topographischer und historischer Hinsicht, durch welche das Interesse erhöht wird; demjenigen aber, der sie bereits besucht hat, werden sie ein willkommenes Andenken seyn.”
Einleitung (S. 1 bis 4)
Die Einleitung ist eine dichte Liste historischer Bezugsdaten: Adalbert von Babenberg im 10. Jahrhundert, König Berengar II. († 966 auf der Altenburg in Gefangenschaft), König Philipp von Schwaben († 1208 in Bamberg), die Fürstbischöfe Leopold II. von Egloffstein, Leopold von Bebenburg, Anton von Rotenhan, sowie das Datum „11. August 1355”, an dem Leopold III. von Bebenburg auf der Altenburg seine Einwilligung zur Stiftung der Marienkirche in Nürnberg erteilte. Hellers Schlusspassage bezieht E. T. A. Hoffmann und Marcus ein:
„so bleibt der Wartthurm gegen Mitternacht nicht unbesucht, welchen der bekannte Verfasser der Phantasiestücke in Callots Manier mit Fresco-Gemälden verziert hat. Dieser geniale Humorist verlebte auf dieser Burg mit dem berühmten Dr. Marcus, dem vormaligen Besitzer derselben, vielleicht die vergnügtesten Tage seines Lebens, und so erhöht das Andenken an jenen Belletristen und diesen Liebling Aeskulaps den Eindruck dieser so mannigfaltigen Erinnerungen heiligen Stätte. Doctor Marcus, dieser Mann deutscher Biederkeit und attischer Bildung liegt hier oben begraben, und kein Verehrer dieser Tugenden versäume, zu seinem Grabe zu wallfahrten.”
Inhalt der Kapitel im Überblick
Heller gliedert in zwölf Paragraphen plus fünf Beilagen. Die ersten sechs § beschreiben die Burg, § 7 bis 12 erzählen ihre Geschichte in chronologischen Abschnitten.
Beschreibung der Burg
§ 1. Lage derselben (S. 7)
„Die Schloßruine Altenburg liegt fast in der Mitte Deutschlands, nicht ganz unter dem 50. Grad nördlicher Breite, im Königreiche Baiern, gehört zum Ober-Mainkreise, und erhebt sich auf einem der höchsten Berge in der Nähe der Stadt Bamberg, in deren Distrikt sie einbegriffen ist. In den ältesten Zeiten war sie ein Hauptvertheidigungspunkt an der Grenze des Gaues Volkfeld, und wurde mit Castrum Babenbergk bezeichnet. Unter der bischöflichen Regierung erhielt sie erst im 13. Jahrhundert den Namen Altenburg.”
§ 2. Wege dahin (S. 8 bis 11)
Heller führt sechs Wege von der Stadt und drei Wege von Wildensorg auf. Der Altenburger Weg ist der Hauptweg und beginnt an der Ziegelhütte in der Sutte:
„Der bequemste und am häufigsten gebrauchte ist der gewöhnliche sogenannte Altenburger Weg, welcher an der Ziegelhütte in der Sutte seinen Anfang nimmt. In dieser Fabrik wird zugleich auch Kalk gebrannt, und sie ist vorzüglich deswegen zu beachten, weil einige Schritte davon aufwärts in der Richtung der Karmelitenkirche ein Echo, das mehrere Male wiederholt, zur Ergötzung dienen kann. Von da aus zieht sich der Fußsteig und Fahrweg allmählig bergan, und ersterer ist auf beiden Seiten mit den schönsten jungen Lindenbäumen besetzt; auch hat er einige Ruhesteine, wo man schon die anmuthige Gegend zum Theil übersehen kann.”
Am Fuß des Schlossbergs teilt sich der Weg: zu Wagen links den Fahrweg um den Berg zum Burgthor, zu Fuß den kürzeren Fußpfad. Vom Sutten-Pfad durch den Teufelsgraben rät Heller dagegen ab:
„So ist auch der Weg, welcher von der Sutte aus durch den Teufelsgraben führt, nicht sehr angenehm, indem sich viele Brunnenstuben in der ziemlich engen Bergschlucht befinden, die meistens Ausflüsse haben, daher besonders Abends hier die Luft feucht und kühl ist. Doch gewinnt man auf diesem Wege eine schöne Ansicht der Burg.”
Der Weg durch die Weinberge vom Jakobsthor ist besonders zu empfehlen:
„Bei trocknem Wetter ist derjenige Weg angenehm zu begehen, welcher sich von dem Jakobsthore aus, durch Weinberge, und dann links nach der Burg hinauf zieht. Besonders genussreich ist dieser Weg im Juli, wenn die Trauben blühen, und ihren aromatischen Duft weit umher verbreiten, so wie auch bei der Weinlese.”
Weiter beschrieben sind der Weg vom Jakobsthor an der Röhrenbrennerei vorbei oberhalb der Weinberge zum Dorf Wildensorg, der Weg vom oberen Kaulberg an der Felsenkapelle (auch „heiliges Loch”) vorbei, sowie zwei Wege von der Würzburger Chaussee am hohen Kreuz durch Hecken und Weinberge. Von Wildensorg führen drei Wege auf die Burg, einer „durch Weinberge und durch neue Maulbeerbaum-Anlagen bei einem Wäldchen vorüber, wo sich eine rustike Ruhebank befindet”. Die Maulbeerbäume gehören zu einer Seidenwürmerzucht-Initiative, die nach Hellers Notiz „erst vor zwei Jahren gepflanzt worden sind” (also um 1827).
§ 3. Nahe Umgebung (S. 11 bis 16)
Der Burgberg ist von zwei Wäldchen flankiert. Im Eichenwäldchen gegen Abend liegt der Bamberger Verein-Friedhof um Marcus’ Grabmal:
„Hat man denselben einige Schritte betreten, so stößt man auf größtentheils bemooste, in Form eines Grabmals aufgeschichtete Felsentrümmer, unter welchen einige alte Denksteine mit Agf 900 / Bg bezeichnet sind, welches wahrscheinlich heißen soll: Anno 900 starb Graf Babenberg. Diese Denksteine wurden schon vor langer Zeit hier gefunden, und gaben zu der irrigen Vermuthung Anlass, als sei Graf Adalbert hier im Jahr 900 hingerichtet und begraben worden.”
Heller verbindet die Sage mit dem Marcus-Grabmal:
„Hier bilden junge Buchen und Eichen eine Halle um das nach der Zeichnung des Baukonducteurs Ohlmüller, von dem Bildhauer Wurzer gut ausgeführte steinerne Denkmal des hier begrabenen hochverdienten Arztes Dr. Adalbert Friedrich Marcus. Es hat die Form eines Sarkophages, dessen Verzierungen in Basrelief sinnvoll auf den hier ruhenden Priester Aesculaps deuten, indem zu der Schlange und der ärztlichen Schaale der Lorbeerzweig des Bürger-Verdienstes gesellt ist, und der Stern unvergänglichen Ruhm verheißt. Wirklich bedurfte es auch nur der ganz einfachen Inschrift: Adalbertus Friedericus Marcus / natus 21. Novemb. 1753. / denatus 26. April 1816.”
Das zweite Wäldchen gegen Südwest bietet die Aussichts-Bank:
„Hier übersieht man die Stadt in ihrer reizenden Lage, die schönen grünen Weinberge, in der Entfernung die Regnitz und den Main mit ihrem bläulichen Schimmer; dann die Ortschaften Hallstadt, Dörfleins, Kemmern, Süßbach, Rattelsdorf. […] Man übersieht hier den Ort Wildensorg, einen großen Theil des Aurachgrundes […] und auf der Seite rechts den Rothof. Die Burg Lisberg schaut mit ihrem rothen Anstrich über den Wald hervor. Begrenzt wird diese Gegend durch das Tannenholz des Steigerwaldes.”
Auf dem Weg zur Burgbrücke folgen Maulbeerbäume für die Seidenwürmerzucht, das Crucifix mit Maria, Johannes und Magdalena (Anfang 18. Jahrhundert, mit einer eingelassenen Grablegungs-Composition aus dem 13. Jahrhundert, vormals im Nonnenkloster zum Heiligen Grab):
„Vor dem Crucifix stehen 4 Betstühle, da es häufig von Andächtigen besucht wird, und am 1. Mai, als am Tag der Kirchweihe, bei dem Gottesdienst im Freien zum Altare dient.”
Am Nordost-Aufstieg findet sich die Dank-Inschrift des Vereins (in einer steinernen Tafel an einer eingestürzten Mauer):
„Dank / Allen Edlen / welche zur Verschönerung der Altenburg / Beiträge geleistet haben.”
Weiter oben auf der Linken liegt das Wilhelm-von-Bayern-Denkmal, errichtet zum Andenken an den Hauptstifter:
„Seiner Königlichen Hoheit dem Herrn / Herzog Wilhelm von Baiern / zum / dankbaren Andenken gewidmet / vom / Vereine für Erhaltung der Altenburg / im Jahre 1818.”
§ 4. Beschreibung der äusseren Theile der Burg (S. 16 bis 20)
„Die Burg bildet ein längliches Viereck, welches auf den Seiten mit Mauern und Wachtthürmen versehen war, wovon einige noch stehen. Das Ganze ruht auf felsigtem Grund. Von seiner ältesten Bauart ist wohl nichts mehr übrig; was jetzt noch zu sehen ist, stammt aus dem 14. bis 19. Jahrhundert her.”
Drei der vier Mauern stehen, die vierte gegen Osten ist eingestürzt. Heller misst sie in Schuh und liest sie wie eine bauchronologische Tafel:
- Mauer bis mittlerem Turm: 682 Schuh lang, in der Mitte vorspringender 12-Schuh-Wachtthurm mit gothischem Saal im Obergeschoss. Bamberger Landeswappen und Familienwappen Anton von Rotenhans (Regierung 1431 bis 1459; Heller schreibt an anderer Stelle nach älterer Zählung »1432 bis 59«).
- Mauer bis zur Abendseite (101½ Schuh): Brustwehr mit Bamberger Wappen, Hollunderbaum aus dem Mauerwerk.
- Eckturm mit Bischof-Georg-Schenk-Wappen 1514 vom Bildhauer Hans Nußbaum.
- Mauer bis Thorhaus (96½ Schuh): Thorhaus 33 Schuh lang, mit zwei Eckscharwachten in Form eines Erkers.
- Holzbrücke auf zwei steinernen Pfeilern mit Strebpfeilern und Unterwölbung.
- Mauer bis nächstem Eck (96 Schuh): Vollständige Brustwehr 1583, Ziegeldach.
- Großer runder Eckthurm: „der stärkste von allen”, 15 Schuh vortretend, drei Fenster oben, kuppelartige Schiefer-Bedachung, Bamberger und Bischofs-Familienwappen an der östlichen Seite.
- Mauer bis mittlerem Wachtthurm (111 Schuh): „besteht noch ganz in der ursprünglichen Bauart des 15. Jahrhunderts, und hat 7 Fenster”. Wappen Georg von Schaumberg 1474, beim 5. Fenster wieder, beim 7. Fenster Bischof Philipp Graf von Henneberg (1475 bis 1487).
- Bischof-Groß-Wappen 1490 und Bischof-Georg-von-Limburg-Wappen 1518 in der Mauer bis zum eingestürzten Eck (149 Schuh), mit Steinmetzzeichen und Jahreszahl 1584 als Marke der Wiederherstellung.
§ 5. Der inneren Theile (S. 20 bis 35)
Das Thorhaus war ursprünglich mit Zugbrücke ausgestattet: „die Rollen auf beiden Seiten des Thores zu sehen” sind noch vorhanden, dazu „die 12-schuhige Vertiefung, in welche die Brücke eingelassen wurde”.
Heller beschreibt in einer dichten Reihe fünf Grabdenkmäler in den Seitenmauern des Thordurchgangs (im 16. Jahrhundert entstanden, erst in neuerer Zeit zur Altenburg verbracht): Martin von Redwitz † 1505 („Anno Dni. M. ccccc. v. Am. Donerstag. nach. sant. Jorgen tag. Starb. der. Erber. und. Vest. Mertein. vo. Red. wiz. zu. redwiz. D. got. gnad.”), einen Edlen von Schaumberg 1520 in rotem und weißlichgelbem Marmor (vormals Dominikanerkirche, dann Marmor-Fabrik im Zuchthaus), Wolf Christoph von Streitberg † 1560 (Zeichen des Künstlers KS mit Klöpfel, Meißel und Winkelmaß), das Adalbert-von-Babenberg-Denkmal (1724 im Kloster Theres errichtet, vor einigen Jahren auf die Altenburg versetzt) und einen Edlen von Fuchs.
Im Thorhaus oben: die Burgvogts-Wohnung, die jetzt von der Kunstgärtner-Familie Müller bewohnt wird, „welche zugleich die Wirthschaft besorgt. Jeder Fremde wird eine billige, zuvorkommende Bewirthung daselbst finden. Zwei von den obern Zimmern dienen zugleich während des Winters zur Aufnahme der Gäste.”
Im Erdgeschoss rechts vom Eingang führt eine Thür zur Küche, „worin ehemals eine Kapelle gewesen seyn soll. Die Decke hat ein Kreuzgewölbe mit einem Gurt; an dem Schlußstein befindet sich das Bamberger Wappen mit dem Löwen, und das Rotenhanische als Zeichen, dass sie unter der Regierung des Fürstbischofs Anton von Rotenhan zwischen den Jahren 1432 bis 59 erbaut worden seyn soll.”
Das Verließ unter dem Thorhaus mit dem berüchtigten Hexenbett:
„[…] welches ehemals zur Aufbewahrung der Gefangenen benutzt wurde. Später soll daselbst die Folterkammer gewesen seyn; wenigstens befindet sich daselbst noch der Stock, welcher aus drei, 12½ Schuh langen und mit 20 Löchern versehenen Blöcken besteht, in welche die Gefangenen mit den Armen und Füßen eingeklemmt wurden. Vorzüglich sollen im 16. und 17. Jahrhundert diejenigen dahin gebracht worden seyn, welche man der Zauberei beschuldigte, daher dieser Gefängnißstock gewöhnlich nur unter dem Namen des Hexenbettes bekannt ist.”
Im Burghof zentral der große runde alte Wachtthurm und ein 140-Schuh-Gebäude:
„Es befanden sich darin bis in das erste Dezennium dieses Jahrhunderts die Weinkalter und andere Geräthe der fürstlichen Ökonomie, und es wird noch jetzt zu gleichem Zwecke benutzt.”
Auf dem Schlosszwinger zur Nordmauer: „die vielen Tische und Bänke, die von Fruchtbäumen beschattet werden, daß eine besuchte Wirthschaft betrieben wird.”
Im Obergeschoss des Anton-Rotenhan-Wachtthurms hat Marcus den gothischen Saal eingerichtet, mit Glasmalereien in den Fenstern (Jahreszahlen 1510, 1572, 1645) und altdeutsch-stilisierten Wandverzierungen. Hier sind auch die E.T.A.-Hoffmann-Wandgemälde dokumentiert:
„Das Innere des Thurms ist […] zweckmäßig hergestellt und bemalt, wahrscheinlich nach der Angabe des genialen belletristischen Schriftstellers Hofmann, der in diesem Thurme selbst Beweise seiner Künstler-Talente gab, indem er zwei Wand-Gemälde, Grau in Grau mit Leimfarben malte. Das eine stellt den Grafen Adalbert vor, wie er dem schlauen Hatto folgt; das andere, wie der Graf gefangen wird und sich auf das Versprechen Hatto’s beruft. Die Freunde jenes ausgezeichneten Mannes, von welchem jede Reliquie theuer ist, werden es bedauern, dass beide Gemälde sehr bedeutend litten, und bald nicht mehr seyn werden, wenn zu ihrer Erhaltung nichts von einer schonenden geschickten Hand geschieht.”
Das Brunnenhaus liefert die Wasserversorgung der Burg:
„[…] in welchem das Wasser mittels eines Rades aus der Tiefe von 78 Schuhen heraufgezogen wird. Der Wasserstand des Brunnens beträgt bei nasser Witterung 26 Schuh.”
Anschließend der kleine gut unterhaltene Garten mit der Jahreszahl 1584 an der südlichen Einfassungsmauer (Wiederherstellungs-Marke).
Im Garten erinnert eine Tafel an die Zerstörung des „Wilden Mannes” 1822:
„Was Grossmuth und Gemeinsinn der Bewohner Bambergs zur Verschönerung der Babenburg dargebracht haben, wurde durch die frevelnde Hand eines Vandallen im Monat März 1822 zerstört.”
Im mittleren Mauerturm gegen Mittag hat Marcus ein weiteres Zimmer eingerichtet, mit einem großen Ölgemälde (9 × 4½ Schuh) des bärtigen Hans Steininger, „Staatthalters in Braunau, welcher gestorben ist im 1567 Jahr, seines alters 56 Jahr”. Aktuelle Nutzung im Jahr 1827:
„Im Jahre 1827 wurde dieses Gartenhaus während der Monate Mai, Juni und Juli zur Zucht der Seidenwürmer benutzt.”
Der große runde Bergfried in der Mitte der Burg:
„[…] gleichfalls schon genannte große, runde alte Wachtthurm, welcher dieser Ruine ein so ausgezeichnetes Ansehen einer Ritterburg giebt, und sie auch so weit sichtbar macht. Denn ihn gewahrt man besonders, wenn er von der Sonne beleuchtet ist, von mehreren Punkten aus schon in einer Entfernung von 10 bis 20 Stunden. Die Grundmauern des Thurms gehören wahrscheinlich zu den ältesten, welche sich von dieser Burg erhalten haben.”
Heller liest am Mauerwerk drei Bauphasen ab: das Wappen Albrecht II. Graf von Wertheim (Regierung 1399 bis 1421) an der Zinne; das Schönborn-Wappen am obersten Kranz für die Erneuerung 1733 unter Friedrich Karl von Schönborn (inkl. der kuppelartigen Schieferbedachung); und der Blitzschlag-Schaden 4. Mai 1790:
„Dieselbe wurde aber am 4. Mai 1790 durch einen Blitzstrahl vernichtet, und der Thurm brannte aus. Erst 1807 bekam der obere Stock desselben wieder eine hölzerne Stiege, die vor einigen Jahren aber einer bequemeren weichen mußte.”
Bergfried-Maße: 109 Schuh Umfang, mit einem Nebenthürmchen, das 1578 angebaut wurde.
§ 6. Aussicht vom Thurm (S. 35)
Panorama-Beschreibung vom Bergfried.
Geschichte
§ 7. Von Entstehung der Burg bis zum Jahr 1000 (S. 63)
Frühgeschichte des Radenzgaues, Adalbert von Babenberg, Schlacht von 902, Hinrichtung 906.
§ 8. Vom Jahre 1000 bis 1200, oder bis zur Erlöschung des Namens Babenberg, welcher in Altenburg verwandelt wurde (S. 78)
Die Bistumsgründung 1007 und die Übergangsphase, in der „Babenberg” als Burgname verschwindet und durch „Altenburg” ersetzt wird.
§ 9. Vom Jahre 1200 bis 1522 oder die Burg in ihrem größten Flor (S. 84)
Die spätmittelalterliche Blütezeit unter den Fürstbischöfen. Belehnungen, Urkundentätigkeit, Bauphasen unter Anton von Rotenhan.
§ 10. Vom Jahre 1522 bis 1556. Allmählicher Verfall, Belagerung durch die Bauern 1525, Einnahme und Verwüstung durch Markgraf Albrecht 1553 (S. 103)
Eine der inhaltsreichsten Passagen mit detaillierten Bauakten:
„Gleich nach hergestellter Ruhe ging Weigands Streben dahin, die Altenburg sogleich in einen noch bessern wehrhaften Stand zu setzen, und noch im Jahre 1525 bis 1526 wurden neue Schießlöcher in die Mauer gebrochen; der innere Wartthurm bekam eine neue Thurmspitze und Verbesserungen am Kranze. Auch kam in den Thurm eine Glocke, welche 1 Ztr. 17 Pfd. wog und von dem Glockengießer Nik. Senf gefertigt worden ist, wofür derselbe 13 fl. erhielt.”
Weiterhin nennt Heller Reparaturen am Pulverthurm 1527 bis 1528, eine Roßmühle durch Zimmermann Schnitter, den Nürnberger Baumeister Paul Beheim, der gemeinsam mit den Steinmetzen Hans Lang, Hans Silber und Peter Daut die Gebäude besichtigte, die Bedachung des Zeughauses 1535 (Maler Albrecht Haas, Schieferdecker A. Thim von Leutenberg, „welche damals noch als selten angesehen wurden”), neue Stallungen 1538, die Erneuerung des Brunnens „gegen Wildensorg zu” 1538 und 1540 die neu hergestellte „alte Kanzlei”.
§ 11. Vom Jahre 1556 bis 1609. Nothdürftige Wiederherstellung (S. 116)
Wiederaufbau nach dem Markgrafenkrieg.
§ 12. Vom Jahre 1609 bis 1827. Allmählicher Verfall (S. 121)
Vom Dreißigjährigen Krieg über die Säkularisation 1802 bis zur Marcus-Periode und zum Verein 1818, mit Fokus auf den von Marcus initiierten Wiederherstellungs-Maßnahmen und der Vereins-Aktivität bis 1827.
Beilagen
- I. Literarische Nachrichten über den bairischen Nordgau (S. 127). Hellers Quellenkritik zur älteren Forschungsliteratur.
- II. Beweis, daß das Schloß Babenberg im Gau Volkfeld lag (S. 128). Heller stützt damit die Position, die schon Oesterreicher 1821 vertreten hatte und die Rudhart 1835 weiter ausbauen wird: die mittelalterliche Burg Babenberg ist nicht mit der Bamberger Altenburg identisch, sondern lag im benachbarten Gau Volkfeld.
- III. Berengar II. auf der Altenburg (S. 128). Quellenanalyse zur Gefangenschaft und zum Tod des lombardischen Königs auf der Altenburg.
- IV. Nachrichten über die Schenkungs-Urkunde vom Jahre 973 (S. 130).
- V. Gedicht auf die Belagerung der Stadt Bamberg um 1435 (S. 131).
Stellung in der Forschungsachse
Heller steht zeitlich nach Jaeck 1819 und 1823 und Oesterreicher 1821 und vor Rudhart 1835. Seine Disposition, von der Frühgeschichte über die Babenberger-Diskussion und die Burgbeschreibung bis zum Beilagen-Apparat, folgt der Anlage Oesterreichers 1821. In der Babenberger-Frage steht Heller mit seiner Beilage II auf der quellenkritischen Seite: das Schloß Babenberg lag im Gau Volkfeld, nicht in Bamberg. Diese Linie arbeitet Rudhart 1835 mit größerem Apparat weiter aus, und Pfeil 1986 schließt sie mit dem archäologischen Befund von Schwarz und Sage (1969 bis 1972) ab.
Bildergalerie
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Mottospruch gegenüber dem Titelblatt: „Unsere Burgen und Klöster haben so viel Werth als die Trümmer alter griechischer und römischer Gebäude, so viel Werth, als egyptische Pyramiden und indische Pagoden, und sie liegen uns überdieß näher, versetzen uns in die deutsche Vorwelt, und können mit der Gegenwart am Besten versöhnen, wenn nicht so ist, wie es seyn könnte und sollte." Plus Stempel „Bibliotheca Regia Monacensis". Frontispiz-Rückseite, Motto -

Beginn der Vorrede. Heller positioniert die Schrift als Reise-Begleitung für Durchreisende, denen die ausführlichen Werke (gemeint sind Oesterreicher 1821, Jaeck 1819/23) zu lang sind. Vorrede, Seite 1 -

Inhaltsverzeichnis: zwölf Paragraphen plus fünf Beilagen, gegliedert in Beschreibung (§ 1 bis 6) und Geschichte (§ 7 bis 12). Beilage II führt den „Beweis, daß das Schloß Babenberg im Gau Volkfeld lag" und stellt damit der Bamberger Lokaltradition eine Lokalisierung außerhalb Bambergs gegenüber. Inhaltsverzeichnis