Quelle · 1968 · Vereinschronik / lokalhistorische Monographie zum 150-jährigen Jubiläum
Hans Paschke: Die Altenburg ob Bamberg und ihr Verein

Paschke 1968, Die Altenburg ob Bamberg und ihr Verein
Die Festschrift zum 150-jährigen Bestehen des Altenburgvereins erschien am 20. Juli 1968 als Heft 35 der Reihe „Studien zur Bamberger Geschichte und Topographie”. Verfasst hat sie der Bamberger Lokalhistoriker und Stadtrat Hans Paschke, gewidmet ist sie dem damaligen ersten Vorsitzenden, Altbürgermeister Anton Hergenröder. Marina Scheinost schrieb den Text zum 200-jährigen Jubiläum 2018 fort. Für die Burg- und Vereinsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ist Paschke die wichtigste zusammenfassende Darstellung.
Paschke folgt nicht streng den Vereinsperioden, sondern einer kulturlandschaftlich-historischen Erzählachse: keltische Vorgeschichte, Thüringer am Obermain, Babenberger-Frage, Bauakten des 16. Jahrhunderts und schließlich die Vereinszeit ab 1818. Der historische Teil ist deutlich umfangreicher als der eigentliche Vereins-Teil. In der Babenberger-Frage vertritt Paschke eine eigene Position und ordnet ältere Autoren in Pro- und Contra-Lager; einzelne dieser Zuordnungen, insbesondere die Einreihung Rudharts, sind in der späteren Forschung korrigiert worden.
Teil 1: Vor- und Frühgeschichte bis zur Vereinsgründung
Der erste und längste Teil setzt mit der keltischen Vorgeschichte ein und behandelt die großen Oppida der Region, darunter die Staffelberg-Grabung von U. Osterhaus 1967 mit ihrer 3,5 m starken Pfahlwerkmauer und Funden aus Urnenfelder-, Hallstatt- und Latènezeit. Es folgen die Thüringer am Obermain in der Völkerwanderungszeit und die ausführliche Babenberger-Frage, in die Paschke auch Adalbert Friedrich Marcus und die Vereinsgründung von 1818 einbettet.
Teil 2: Bauakten des 16. Jahrhunderts
Den quellenkundlichen Kern bildet Paschkes Auswertung der Bamberger Hofkammerzahlamts-Rechnungen zur Bautätigkeit auf der Altenburg zwischen 1515 und 1521:
| Jahr | Maßnahme |
|---|---|
| 1515 | Der „Erker ob dem Saale” wird abgebrochen und die Kemenate mit 34.000 Flachziegeln neu gedeckt (Dachdecker Hans Keck und Hans Rosenstock, Gedinge 34 fl). Aus der Ziegelmenge rechnet Paschke eine Grundfläche der großen Kemenate von etwa 40 × 12,5 m, also rund 500 m² zurück, „also nahezu den gesamten Raum des heutigen Pallas der Burg”. |
| 1516 | Kleinere Ausbesserungen an Torhaus, Schranken, Fuhrweg, Wehren, Türmchen und äußerem Torhaus; am Bergfried, hier „Turm des Türners” genannt, drei Fenster „im Schlitz des Turmes, darin die Gefangenen liegen”. |
| 1517 | Maurerarbeiten an der zerrissenen Mauer am Zeughaus. |
| 1521 | Bau eines spiralförmigen Treppenturms („Schneckla”) am fürstbischöflichen Gemach; acht große Fensterscheiben mit den vier Ahnen und den vier Patronen des Fürstbischofs, ausgeführt vom Nürnberger Glasmaler Veit Hirschvogel; dazu ein offener gemauerter Kamin mit fürstbischöflichem Wappen. |
Wichtig ist dabei Paschkes Quellenkritik an Heller 1829: Das Schreiben des Nürnberger Baumeisters Hans Beheim vom 4. Oktober 1515 aus der „Herberge zum wilden Mann” betrifft nicht die Altenburg, wie Heller (S. 103) annahm, sondern die Hofhaltung.
Teil 3: Spätphase des 16. Jahrhunderts und Reihen-Verzeichnis
Der dritte Teil führt die Bauakten von 1554 bis 1556 fort (weitere Maurer- und Steinmetzarbeiten) und behandelt knapp die Vereinszeit mit Hoffmann, Haeberle, Schweitzer und Hergenröder. Den Abschluss bildet ein Verzeichnis aller bis dahin erschienenen Hefte der Reihe „Studien zur Bamberger Geschichte und Topographie”, das die Reihe als zusammenhängenden Forschungs-Korpus dokumentiert.