Quelle · 2000 · wissenschaftliche Monographie / Aufsatz

Karin Dengler-Schreiber: Gustav Haeberle, Architekt (1853–1930)

Dr. Karin Dengler-Schreiber (geb. 1947, Stadtheimatpflegerin Bamberg 1983–2009; Mitglied Bayerischer Landesdenkmalrat 1997–2023)

Karin Dengler-Schreiber: Gustav Haeberle, Architekt (1853–1930), Dr. Karin Dengler-Schreiber (geb. 1947, Stadtheimatpflegerin Bamberg 1983–2009; Mitglied Bayerischer Landesdenkmalrat 1997–2023), 2000
Erste Seite des Aufsatzes von Karin Dengler-Schreiber: Gustav Haeberle, Architekt (1853–1930). Bericht des Historischen Vereins Bamberg 136 (2000), S. 195. PDF frei zugänglich auf der Homepage der Autorin.

Dengler-Schreiber 2000, Gustav Haeberle, Architekt (1853–1930)

Gustav Haeberle (1853–1930) prägte als Architekt maßgeblich das heutige Erscheinungsbild der Altenburg und ist mit 185 Baumaßnahmen und 125 Neubauten im Bamberger Stadtgebiet einer der einflussreichsten Architekten Bambergs. Im Auftrag des Altenburgvereins arbeitete er über vierundvierzig Jahre (1884–1928) als Daueraufgabe an der Burg, vom Brunnen-Neubau 1893 über den Palas 1901/02 bis zur welschen Turmhaube auf dem Bergfried.

Standardwerk zur Person, zum Werk und zur Bamberger Wirkung Gustav Haeberles. 49 Druckseiten in den Berichten des Historischen Vereins Bamberg, basierend auf einem Vortrag vom 22.1.1999. Der Aufsatz liegt als frei zugängliches PDF auf der Homepage der Autorin und wird im Aufsatz Dengler-Schreiber 2015 ausdrücklich als die zentrale ältere Arbeit zur Person genannt.

Altenburg-Bezug (44 Jahre, 1884–1928)

An der Altenburg arbeitete Haeberle 44 Jahre, von 1884 bis 1928. Quelle der folgenden Liste: Haeberles Werkliste 1920 (B.S. 330), siehe Werkliste-Auszug im Aufsatz S. 230–241.

JahrMaßnahmeAnmerkung
1884–1928„Altenburg” als DaueraufgabeEintrag in der Sammelübersicht der Werkliste 1920
1891Altdeutsches Zimmer im Altbau (E = Einrichtung) + Umbau AltbauAuftraggeber Altenburgverein
1893Stilgemäßer Umbau des Ziehbrunnens (Burgbrunnen)U = Umbau, Auftraggeber Altenburgverein
1901Neubau Palas (N)Hauptbau, baupolizeiliche Genehmigung 24.1.1901, Einweihung 4.10.1902
1902Errichtung der Turmhaube auf dem runden Turm (Bergfried)A = Anbau, im September 1901 entschieden, mit alten Dachziegeln eingedeckt
1902Innenausbau des neuen WirtschaftsgebäudesE = Einrichtung
1907Einrichtung des sog. Wittelsbacher ZimmersE = Einrichtung
(1920er)Weitere Maßnahmen bis 1928

Haeberles eigener Eintrag in den Verein: Schwiegervater Apotheker Sippel war Vorstandsmitglied des Altenburgvereins. Dadurch „wuchs Haeberle in den Kreis der Honoratioren hinein, die damals im Altenburg-Verein konzentriert waren” (Zitat S. 137 f. des Aufsatzes).

Erste Eindrücke des jungen Haeberle (1877): „Als ich im Jahre 1877 nach Bamberg kam, wurde die Altenburg nicht viel besucht. An dem Genuß der Naturschönheiten und der …” (zitiert auf S. 374 f. des Aufsatzes)

Palas-Neubau im Detail

Ernsthafte Neubau-Pläne gab es ab 1892. Den Finanzierungs-Anlauf brachten die Altenburger Festspiele 1897 mit 10.000 Mark Überschuss. Gegen Haeberles Entwurf trat „stud. arch.” Robert Schmitt mit eigenen Plänen an; er hatte bereits am Münchner Rathaus mitgewirkt. Daraus entwickelte sich eine „heftige Presseschlacht”. Das Preisgericht, „hauptsächlich mit Freunden Haeberles besetzt”, entschied für Haeberle.

Der königlich bayerische Konservator Haggenmüller nahm mit seinem Gutachten vom 3.12.1900 Einfluss auf die Planung: Er reduzierte „viele Details” und bestand auf einem zweistöckigen Gebäude, weil „die Fernwirkung eines äußerlich großzügigen und malerisch gruppierten Bauwerks” entscheidend sei (Zitat-Anker). Die Baupolizei genehmigte die Pläne am 24.1.1901 (präziser als bisher in unseren Lemmata). Ein Teil des Baumaterials kam als Stiftung: von der Firma Fuchs behauene Steine, die vom Bau des Justizgebäudes übrig waren, von der Stadt Forchheim 100 mittelalterliche Buckelquadern vom Abbruch der Feste Forchheim (Korrektur unserer bisherigen Notation „aus Forchheim”; präziser ist „vom Abbruch der Feste Forchheim”).

Im Sommer 1901 stieg die Vereinsvorstandschaft regelmäßig auf den Bergfried, um den Baufortschritt zu beobachten; daraus entstand die Idee zur Turmhaube, die im September 1901 beschlossen wurde. Haeberle plante „wie bei der Mälzerei, auch hier jedes Detail, Fenstergitter, Türklinken, Ausmalung, Dachrinnen, Wasserspeier”. Die Einweihung folgte am 4. Oktober 1902 mit ausgedehnten Festlichkeiten.

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