Quelle · 1821 · historische Monographie, Erstausgabe
Paul Oesterreicher: Die Altenburg bei Bamberg, geschichtlich dargestellt. Erste Abtheilung.

Oesterreicher 1821, Die Altenburg bei Bamberg, geschichtlich dargestellt: Erste Abtheilung.
Älteste eigenständige Monographie zur Altenburg, acht Jahre nach Marcus’ Tod und drei Jahre nach der Vereinsgründung 1818 erschienen. Paul Oesterreicher (1766 bis 1839) verfasste sie als königlich-bayerischer Archivar zu Bamberg im Selbstverlag, mit ausführlichem Urkunden-Anhang und einem eigens angefertigten Frontispiz nach Hartmann Schedels Bamberg-Holzschnitt von 1493. Sie steht zeitlich und thematisch zwischen Jaeck (1819, 1823) und Heller (1829), und nimmt in der Babenberger-Frage bereits eine quellenkritische Position ein, die Rudhart 1835 weiter ausarbeiten wird.
Bibliografische Eckdaten
- Autor: Paul Oesterreicher (1766 bis 1839), königl. bayerischer Archivar zu Bamberg
- Erschienen: Bamberg 1821, im Verlage des Verfassers (Selbstverlag)
- Untertitel: „Erste Abtheilung.” Eine zweite Abtheilung ist nach aktuellem Stand nicht erschienen
- Umfang: 127 Seiten
- Beleg-Apparat: Urkunden-Anhang mit lateinischen und frühneuhochdeutschen Originaltexten bis 1507
- Frontispiz: Eigene Kupferstich-Zeichnung „Altenburg / Babenberg”, nach dem Holzschnitt aus der Schedelschen Weltchronik 1493 (Werkstatt Wolgemut)
Vorwort: Programmatik und Quellenrahmen
Im Vorwort macht Oesterreicher drei Aussagen mit weitreichender Wirkung:
1. Frontispiz aus Schedel 1493:
„Die Zeichnung des Kupferstiches ist von dem Holzschnitte Wohlgemuts, Lehrers von dem berühmten Maler, Albrecht Dürer, in dem zu Nürnberg 1493 herausgegebenen Buche der Chroniken genommen, und die Aelteste, welche wir besitzen.”
Damit verankert Oesterreicher seine Burgmonographie bewusst in der ältesten gedruckten Bildquelle der Stadt Bamberg. Die Bezugsachse Schedel 1493 → Oesterreicher 1821 ist eine direkte Brücke zwischen Inkunabel-Zeit und Vereinsära. Vergleiche unsere Quelle 1493-schedel-nuernberger-weltchronik-bamberg-vedute.
2. Staatsrechtliche Lesart:
„Meinen Landsleuten wird indessen die geschichtliche Darstellung der Altenburg willkommen seyn, die abwechselnd eine fränkische und altbaierische Besitzung war, und wofür man, wie billig, eine Vorliebe hat.”
Programmatische Einordnung der Burggeschichte in den Rahmen des bayerischen Königreichs nach der Säkularisation 1802/03.
3. Vertagte zweite Abtheilung:
„Der gelehrte Freund, welcher mir fernere Mittheilungen versprochen hatte, [starb] nach einem Krankenlager von mehrern Wochen. Es muß also eine Vertagung stattfinden, die jedoch nicht ohne Nutzen seyn wird.”
Geplant war ein zweiteiliger Burgenbeschreibungs-Zyklus mit „Stahleck bei Bacharach” als zweitem Werk, das nach dem Tod eines gelehrten Mitarbeiters nicht mehr erschien. Pfalzgraf Hermann und seine Gattin Gertraud sind als zentrale Akteure dieses geplanten zweiten Teils genannt.
Quellenkritik: Adelbert nicht in Babenberg, sondern in Theres belagert (S. 55)
Eine der wichtigsten Stellen für die spätere Babenberger-Debatte. Oesterreicher hält gegen die Bamberger Lokaltradition fest, dass die zeitgenössischen Quellen für die Belagerung Adelberts 906 nicht Babenberg, sondern Theres als Ort nennen:
„Daß aber der Markgraf, Adelbert, kurz vor seinem Lebensende nicht zu Babenberg, sondern zu Theres von dem königlichen Heere belagert worden sey, bezeugen, nebst dem Abte, Regino, auch Marian und der sächsische Annalist. Dem Zeitgenossen, welcher zuerst die Nachrichten von dem Markgrafen mittheilte, wird bei diesem Gegenstande vollkommener Glaube beizumessen seyn. Es läßt sich gar keine Absicht dabei denken, warum er einen Ort für den Andern sollte angegeben haben.”
Oesterreicher widerlegt damit auch die berühmte Hatto-Sage, nach der Erzbischof Hatto von Mainz Adelbert aus der „Babenburg” durch List herausgelockt habe:
„Es kann daher gar nicht die Rede davon seyn, daß der Erzbischof, Hatto, von Mainz den Markgrafen aus der Babenburg entlocket und ihn in der Teuerstatt [hingerichtet habe].”
Diese Quellenkritik nimmt vierzehn Jahre vor Rudhart 1835 in zentralen Punkten dessen Position vorweg. Sie steht in markantem Gegensatz zur affirmativen Pro-Babenberger-Position, die später Dresch 1857 wieder einnimmt.
Hauptteil: Burgbeschreibung und Periodisierung
Der Hauptteil gliedert die Burggeschichte in mehrere Perioden und behandelt:
- die Frühgeschichte des Radenzgaues und die karolingisch-fränkische Verortung
- die Babenberger-Genealogie und die Schlacht von 902 in der Wetterau
- die Bistumsgründung 1007 und die Otto-Bauten
- die Mauer- und Befestigungs-Topographie der Burg
- die Bauphase Anton von Rotenhans (1431 bis 1459) mit Urkunden-Belegen
Der Text durchsetzt die historische Erzählung mit lateinischen Original-Belegen aus Annalisten und Urkundenwerken (Regino, Marianus Scotus, Eccard, Ratisbona-Pars).
Urkunden-Anhang (Belege)
Der Urkunden-Anhang umfasst Originaltexte aus dem Hauptarchiv Bamberg und benachbarten Sammlungen bis ins frühe 16. Jahrhundert. Datierungen erstrecken sich von einer Urkunde des 13. Jahrhunderts unter Otto I. bis zu einem Schreiben von 1507 (datiert auf „Sonntag vincula petri 1507”). Die Texte sind in der originalen Sprachform belassen (lateinisch oder frühneuhochdeutsch). Sie sind Oesterreichers eigenständiger archivarischer Beitrag und unterscheiden seine Schrift methodisch von rein erzählenden Burgmonographien wie Jaeck 1819 oder Jaeck 1823.
Stellung im Forschungsfeld
Oesterreicher steht zeitlich nach Jaeck 1819 und 1823 und parallel zu Hellers Arbeit an seiner Bamberger Geschichte. Heller 1829 übernimmt die thematische Disposition, Frühgeschichte, Babenberger, Burgbeschreibung und Urkunden-Anhang, in nahezu identischer Folge, ohne Oesterreicher ausdrücklich zu nennen. Gegen die Pro-Babenberger-Tradition setzt Oesterreichers Quellenkritik den frühesten publizierten Gegenakzent, den Rudhart 1835 ausweitet und den Pfeil 1986 mit dem archäologischen Befund von Schwarz und Sage (1969 bis 1972) abschließt.
Bildergalerie
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Originaler blauer Umschlag der Erstausgabe mit Punktrahmen-Verzierung und Bibliotheks-Signatur „Bavar. 1990" der Bayerischen Staatsbibliothek München. Umschlag -

Innentitel der Erstausgabe: „Die Altenburg bei Bamberg. Geschichtlich dargestellt. Erste Abtheilung." Mit vollem Titel des Autors als königlich-bayerischer Archivar zu Bamberg. Innentitel -

Beginn des Vorworts mit der programmatischen Erklärung der Zielgruppe und der Anspruchsbegründung der Schrift. Vorwort, erste Seite